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Die Zukunft sei nur Fantasie

Blogvon Francesca Valentin

In der Philosophie gibt es eine Denkrichtung, die sich Präsentismus nennt. Präsentist*innen vertreten die These, dass Vergangenheit und Zukunft so nicht existieren. Das bedeutet, alles Vergangene sind subjektive Erinnerungen und die Zukunft ist ein Konstrukt aus gedachten Ereignissen, die aber nur in unseren Köpfen existieren. Sprechen wir also von unserer Vergangenheit oder über unsere Zukunftspläne, dann sprechen wir aus präsentistischer Sichtweise nur von ausgedachten und subjektiven Gedanken-Konstrukten, deren Existenz nur in unseren Köpfen besteht.

Alles, was wir als „unsere Vergangenheit“ betiteln, sind demnach allein unsere Interpretationen von Begegnungen, Ereignissen und Menschen. Wie du deine Vergangenheit im Kopf hast, wie du dich an den einen Tag mit deinen Freunden im Park erinnerst, unterscheidet sich vollkommen darin, wie andere Menschen diesen Tag wahrgenommen haben. Alles, was in deiner Vergangenheit passiert ist, existiert in der Realität nicht mehr. Es ist allein deine Wahrnehmung der Geschehnisse, welche deine Vergangenheit konstituiert. Genauso ist es im Präsentismus auch mit der Zukunft. Man kann so viele Pläne schmieden, wie man möchte, sich Sachen vornehmen und Ziele setzen – mit ziemlicher Sicherheit wird nichts davon genauso passieren, wie man es sich ausmalt. Die Zukunft besteht so lange aus Gedanken-Konstrukten, bis sie eintritt. Und dann hat sie einen anderen Namen, und zwar „Gegenwart“.

Ich weiß, mir werden einige Physiker*innen hierbei stark widersprechen. Wer an Einsteins Relativitätstheorie glaubt, kann auf keinen Fall Anhänger*in des Präsentismus sein. Ich würde mich auch selbst nicht als Anhängerin dieser Denkrichtung bezeichnen. Aber als Studentin in einem Studiengang, der an sich nur bedingt berufliche Sicherheit garantiert, hat mir die Grundidee des Präsentismus sehr geholfen, den Druck aus meinem Leben zu nehmen.
Tagtäglich erwische ich mich nämlich dabei, mir Sorgen um meine Zukunft zu machen. Werde ich einen guten Masterstudiengang finden, der mir eine sichere berufliche Karriere garantiert? Oder ist ein Praktikum nach meinem Bachelor eine bessere Idee? Werde ich in Würzburg bleiben, oder gehe ich in eine größere Stadt? Was passiert mit meinen Freunden und den Beziehungen, die ich im Laufe meiner Zeit hier aufgebaut habe? Und dann kommt natürlich die Frage, die sich vermutlich jede:r einmal stellt: Werde ich glücklich sein?

All das sind Fragen, die mich in meinen Entscheidungen beeinflussen. Je mehr ich über meine Zukunft nachdenke, je mehr ich versuche, einen roten Faden in das Ungewisse zu spannen, desto unsicherer werde ich. Desto mehr verheddere ich mich in meinen Ideen und Plänen und verliere dabei völlig den Blick für das Hier und Jetzt.

Denke ich dann aber daran, dass meine Zukunft aus philosophischer Sicht sowieso nicht wirklich existiert und sich daher auch definitiv nicht planen lässt, so erschafft mir das neue Möglichkeiten, die Gegenwart zu genießen.

Wir konzentrieren uns zu oft zu sehr darauf, was in der Zukunft mit uns passieren wird und vergessen dabei, dass wir jetzt leben. Heute. Nicht gestern oder morgen, oder in 2 Wochenoder in 10 Jahren. Wir leben gerade, in diesem Moment. Das einzig Reale in unserem Leben ist das Jetzt.

Das Beste, das uns passieren kann, lässt sich nicht planen. Das Beste passiert einfach. Ich kann und will (glaube ich) auch gar nicht durchplanen, wie mein Leben weiter verläuft. Klar, wir setzen uns Leitlinien und Ziele, die unseren Weg theoretisch vorbestimmen könnten oder als eine Hilfestellung dienen, aber dabei dürfen wir nicht vergessen, den Moment zu leben. Wenn wir uns zu sehr mit dem beschäftigen, was vielleicht irgendwann mal kommen könnte, dann verpassen wir es vielleicht.

Was hindert uns denn daran, jetzt glücklich zu sein? Jetzt an uns zu arbeiten, uns jetzt anzustrengen und jetzt zu handeln?

Vielleicht sollten wir aufhören in die Zukunft zu planen und uns auszudenken, wer wir in 10 Jahren sein wollen, sondern anfangen daran zu arbeiten, wer wir jetzt sind. Was zählt ist, wer wir jetzt sind. Wie wir uns heute verhalten. Wie wir in der Gegenwart mit unseren Mitmenschen und uns selbst umgehen. Und das Wichtigste dabei ist, stets hinter sich selbst und seinen Entscheidungen zu stehen und okay mit dem zu sein, was man tut.