Fernweh

Die Welt steht in Flammen. Sowohl metaphorisch als auch buchstäblich. Die Taliban haben in Afghanistan erneut die Macht übernommen, geflüchtete Menschen ertrinken nach wie vor im Mittelmeer und die EU sieht zu. Bei einer Hochwasserkatastrophe im Juli dieses Jahres starben allein in Deutschland über 180 Menschen. Am Golf von Mexiko sorgt ein Leck in einer Pipeline dafür, dass das Meer Feuer fängt. Die Liste der humanitären Krisen unserer Zeit ist nahezu endlos. Nur zu leicht verfällt man angesichts dieser scheinbar unlösbaren Aufgaben in Lethargie. Das ist verständlich, denn als einzelne Person verfügt man nur über sehr wenige Möglichkeiten, etwas an diesen eklatanten Ungerechtigkeiten zu verändern. Das ist aber noch lange kein Grund zum Aufgeben. Denn es gibt immer Möglichkeiten, Menschen in Not zu helfen.
Die direkteste Form von Hilfe, abgesehen vom Einsatz vor Ort, sind Spenden an Organisationen, welche vor Ort tätig sind. Ein Großteil von Hilfsorganisationen ist auf Spenden angewiesen und könnte ohne sie ihrer Arbeit nicht nachgehen.
Es ist selbstverständlich, dass nicht jede:r immer spenden kann. Deshalb ist es außerdem wichtig, sich über Konflikte zu informieren. Denn die mediale Berichterstattung ist – vor allem bei Krisen, die sich am anderen Ende der Welt abspielen – im besten Fall lückenhaft, im schlimmsten Fall findet sie überhaupt nicht statt. Daher ist es unerlässlich, eigene Recherchen anzustellen. Dies beinhaltet auch, den betroffenen Personen zuzuhören oder ihnen überhaupt erst die Möglichkeit zu geben, ihre Stimmen zu erheben. Auf den Nachrichtenkanälen der EU wird man beispielsweise kaum Informationen über die menschenverachtende Behandlung von geflüchteten Menschen an den EU-Grenzen durch EU-Organe, wie beispielsweise die „Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache“ Frontex, finden. Und doch findet sie statt.
Die Tragödien unserer Zeit müssen endlich im gesellschaftlichen Bewusstsein ankommen. Das heißt: Wir müssen mit den Menschen in unserem Umfeld über diese Dinge reden, sie darüber aufklären und ihre Vorurteile aus dem Weg räumen. Vor allem aber müssen diese Diskussionen im öffentlichen Raum stattfinden. Die Verbrechen von Politiker*innen müssen skandalisiert werden. Denn nur so entsteht der Druck, der nötig ist, um einen tatsächlichen Wandel hervorzurufen.
Dies ist keine Aufgabe für eine:n Einzelne:n. Im Gegenteil: Den humanitären Krisen unserer Zeit können wir nur sinnvoll gegenübertreten, wenn wir uns organisieren.
