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Noch ein Problem der Vielfalt – Die Initiative Safe Soil

Blogvon Louisa Christa Patricia Volk

Quelle: Google Pictures

Mein Smartphone füttert mich zuverlässig mit Bildern von ertrinkenden Eisbären, CO2 Ausstoß-Kuchendiagrammen und irgendwelchen Plastikinseln im Pazifik, die mindestens zwölf Mal so groß sind wie das Saarland. Kennt man, sage ich mir dann und scrolle weiter. Vor kurzem stieß ich bei diesem Ritual jedoch zum ersten Mal auf ein Thema, welches mir bis dahin gänzlich unbekannt war: Boden und warum wir ihn schützen müssen. Damit ist nicht Omas neuer Laminatboden gemeint, auf dem um Gottes Willen kein Wasser verschüttet werden darf. Sonst würde nämlich das Holzfaser-Papier-Klebstoff-Gemisch ganz unschön aufquellen und würde die Fassung verlieren. Jemand anderes sollte jedoch beim Thema Boden die Fassung verlieren: die globale Menschheit. Anstelle des Laminats handelt es sich um die humusreiche, so himmlisch nach Omas Komposthaufen riechende Erde, ohne die wir in 50 Jahren keine Nahrung mehr haben werden. Die Erde, die nach Heimat riecht, kostet uns am Ende die Heimat.  Der Boden darf den Menschen nicht abhandenkommen, ist der knappe Leitfaden der globalen Initiative Save Soil. Ihr Fokus liegt darauf, Menschen für die Degradierung von Boden zu sensibilisieren. Darunter versteht man die dauerhafte oder irreversible Veränderung der Strukturen und Funktionen von Boden. Im Klartext heißt das: Unsere Böden versanden und das wird fatale Folgen mit sich ziehen: In 20 Jahren werden voraussichtlich 40% weniger Nahrungsmittel für 9, 3 Milliarden Menschen produziert werden. Schlechte Böden führen zu einem schlechten Nährwert. Das heutige Obst und Gemüse enthält bereits 90% weniger Nährstoffe. Der im Boden gespeicherte Kohlenstoff ist 3x so hoch wie der in lebenden Pflanzen und 2x so hoch wie der in der Atmosphäre, was bedeutet, dass der Boden für die Kohlenstoffspeicherung von entscheidender Bedeutung ist. Wenn die Böden der Welt nicht revitalisiert werden, könnten sie 850 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre freisetzen und so zum Klimawandel beitragen. Das ist mehr als die gesamten Emissionen der Menschheit in den letzten 30 Jahren zusammen.

Quelle: Google Pictures

Der Gründer der Save Soil Bewegung Sadhguru ist Gast bei der Daily Show mit Trevor Noah. Dort berichtet er sachlich und selbstbewusst über das Sterben der Bodenvielfalt und dessen Konsequenzen für die Menschheit. Er weiß, wie wichtig sein Anliegen für unseren Planeten ist. Sadhguru ist eine wirkmächtige Persönlichkeit und doch sehr bescheiden in der Art seines Auftretens. Sein gelber schlichter Turban und sein dazu passendes Leinengewand mit dem weiß-silbrig gepflegten Bart spiegeln sein Traditionsbewusstsein gegenüber seinen indischen Wurzeln wider. In seiner Heimat war er schon vor seiner internationalen Bekanntheit im Auftrag des Schutzes der Bodenvielfalt ein Star als Yoga-Guru. Jeden Tag gewinnt seine Initiative an Reichweite und Aufmerksamkeit. Auf Youtube hat er bereits 7,8 Millionen Follower generiert. Er ist ein Mann der klaren Worte, der nichts in Watte packt oder ein Freund von Euphemismen ist. Man denke der Boden wird nie gehen. Wenn es jedoch soweit sei und die Böden versanden, sei nichts mehr von Bedeutung, sagt er mit der Miene eines Weise. Die Vielfalt des Bodens zählt auf einer anderen Skala der Existenz als die Vielfalt der Gender- und Diversity-Debatten oder der Streit um Religionen und Landesgrenzen. Es geht um die pure Form des Überebens. Mit den ruhigen, aber bestimmten Worten eines enkel-tadelnden Großvaters weist uns Sadhguru einen Ausweg aus der kommenden Misere. Ein spontaner Rückwärtsgang weg von der Katastrophe wäre die Wiederherstellung von ca. 3-6% organischen Anteil im Boden. Das könnte durch die Beschattung der Vegetation und der Anreicherung von Pflanzenstreu und tierischen Abfällen erreicht werden. Das schaffen nur politische Maßnahmen und öffentlicher Druck. Ein überzeugter Privatmann hat keine Chance. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, schwang sich Sadhguru also kurzer Hand aufs Motorrad, um innerhalb von 100 Tagen eine Reise von Indien nach Großbritannien anzutreten. Vor zwei Wochen erst war er in Frankfurt, um dort Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Der Boden ist aber durch keine Maschine der Welt mehr zu retten. Das ist der Trugschluss.

Nun, da sitze ich also wieder am iPhone und scrolle. Ich sehe Probleme, mit denen ich nun schon so oft konfrontiert wurde, dass sie Alltag wurden. Ich sehe die altbekannten Saarland-Plastikinseln und auch die Kuchendiagramme. Sadhgurus weißer Bart ist neu auf dieser Liste. Er ist mit seinen 64 Jahren und seinem so unglaublichen Engagement ein neuer Hoffnungsträger.  

Louisa Christa Patricia Volk und Christian Claessen