Wehrpflicht, nein danke?! Teil I
Der Krieg in der Ukraine hat die Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland neu entfacht. In der Schweiz ist der Militär- bzw. Zivildienst für Männer verpflichtend. Wie nehmen junge Menschen dort ihre Dienstzeit wahr?
Vor wenigen Tagen erst bekräftigte Außenministerin Annalena Baerbock erneut ihre Ablehnung gegenüber einer Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland. Damit spiegelt sie die Haltung der meisten jungen Menschen hierzulande wider: Nur 18 Prozent der 14- bis 29-Jährigen befürworten einen solchen Schritt, 50 Prozent lehnen ihn klar ab (Quelle: Trendstudie „Jugend in Deutschland – Sommer 2022“). Timon und Sebastian leben in der Schweiz und haben ihren Dienst dort bereits komplett geleistet. Im Interview teilen sie ihre Perspektive auf das Thema und berichten von ihren Erfahrungen in der Rekrutenschule bzw. als Zivi.
Infobox: Militär- und Zivildienst in der Schweiz
Jeder Schweizer ist verpflichtet, einen Militärdienst zu leisten, Schweizerinnen können sich bisher freiwillig melden (eine Ausweitung der Dienstpflicht auf Frauen wird aktuell debattiert). Der Militärdienst kann zwischen dem 19. und dem 25. Lebensjahr absolviert werden und dauert in der Regel 18 Wochen. Nach der Rekrut:innenschule bleiben die Absolvent*innen neun Jahre eingeteilt und leisten in dieser Zeitspanne sechs Wiederholungskurse zu je drei Wochen. Wer für militärdiensttauglich befunden wurde, diesen jedoch für unvereinbar mit seinem Gewissen hält, kann einen zivilen Ersatzdienst (Zivildienst) im Sozial- und Gesundheitswesen oder im Umweltbereich leisten. Dieser dauert das Anderthalbfache des Militärdienstes. Wer für untauglich befunden wird und weder Militär- noch Zivildienst leistet, muss eine Ersatzabgabe von drei Prozent des steuerbaren Einkommens pro Jahr (maximal elf Jahre lang) bezahlen. Menschen mit einem Behindertengrad von mindestens 70 Prozent sind von der Ersatzabgabe befreit. Für jeden Diensttag haben sowohl Militär- als auch Zivildienstleistende Anspruch auf Erwerbsersatz, selbst, wenn sie vor Dienstantritt nicht erwerbstätig gewesen sind. Der Erwerbsersatz beträgt 80 Prozent des Einkommens vor Antritt des Dienstes, mindestens aber 62 CHF pro Tag. Zivildienstleistende erhalten zusätzlich täglich 5 CHF Taschengeld vom Einsatzbetrieb, Rekrut*innen einen Sold von zusätzlich 4 CHF täglich (Quelle: ch.ch).
Interview zum Zivildienst mit Sebastian (23, studiert Internationale Beziehungen)
I: Wann hast du denn deinen Dienst genau absolviert und wo, beziehungsweise in welcher Einrichtung?
S: Also, den Zivildienst muss man nicht an einem Ort machen, und man kann ihn in unterschiedlich langen Etappen machen. Das ist für mich einer der großen Vorteile vom Zivildienst, dass man selber sagen kann, wann und wo, mit gewissen Einschränkungen. Ich habe als ich 19 war, also vor vier Jahren, das erste Mal gemacht, zwei Monate im Bergwaldprojekt. Das ist eine Stiftung, welche Forstarbeit mit Jugendlichen und freiwilligen Erwachsenen macht, und dort war ich dann auch die folgenden drei Jahre jeweils im Sommer für zwei Monate. Und dann hab ich einmal noch einen Corona-Einsatz gemacht in einem Spital in Samedan in den Bergen und dort Empfangskontrolle gemacht, das waren nur drei Wochen. Und den langen Einsatz, so das Pendant zur Rekrutenschule, habe ich letzten Herbst gemacht, ein halbes Jahr in Bern, beim Bundesamt für Umwelt. Das war mehrheitlich Büroarbeit.
I: Und wenn ich da kurz nachhaken darf: Pendant zur Rekrut:innenschule, heißt das, dass man dann auch eine Ausbildung bekommt?
S: Nein, die Idee ist einfach, dass man einmal einen längeren Einsatz am Stück macht.
I: Achso, ok. Aber es ist nicht wie in der Rekrut:innenschule, also dass man irgendwelche Fähigkeiten vermittelt bekommt?
S: Nein, also es sind nicht alle Einsatzbetriebe zulässig für lange Einsätze, aber grundsätzlich kann man auch dort selbst einen Einsatzbetrieb auswählen.
I: Okay, alles klar. Welche Faktoren haben denn da bei dir bei der Auswahl der verschiedenen Einrichtungen, in denen du warst, eine Rolle gespielt?
S: Für die kürzeren Einsätze war es der Inhalt der Arbeit und der Ort. Also dort wollte ich draußen schaffen, körperlich – ach schaffen ist das schweizerdeutsche Wort (lacht) …
I: …ich versteh’s, das gibt’s in meinem Dialekt auch (lacht)…
S: …draußen arbeiten, körperlich, alles so, die Kombo von allem fand ich mega cool. Und für den längeren Einsatz jetzt war es schon auch die Idee, das so bisschen zu verknüpfen mit dem Studium, vom Inhalt her war es eigentlich wie ein Hochschulpraktikum. Also da war schon auch so bisschen der Karrieregedanke noch dabei, dass es mir irgendwie hilft im Studium oder so.
I: Okay, und da hast du dich dann einfach drauf beworben?
S: Genau, es gibt so eine Plattform vom Bund, wo die ganzen Einsatzbetriebe gelistet sind, und da kann man dann nach verschiedenen Kriterien suchen. Teilweise sind das Einsatzbetriebe, die viele Leute suchen und auch nicht so penibel darauf achten, wer kommt. Da kann man sich dann einfach melden und sagen, ‚hey, ich komm dann und dann, ist ok?‘. Beim Bundesamt musste ich dann schon eine Bewerbung schreiben, es gab ein Vorstellungsgespräch und so, also da haben sie dann schon bisschen mehr geschaut, wer kommt. Das ist so bisschen abhängig auch vom Inhalt der Arbeit.
I: Okay. Magst du mal beschreiben, wie so ein typischer Arbeitsalltag bei dir abgelaufen ist? Das ist jetzt natürlich schwierig, bei den verschiedenen Einrichtungen (lacht)
S (lacht): Ja ich mach einfach die beiden, ok? Also, im Bergwaldprojekt sind es immer Projektwochen von Sonntag bis Samstag. Da muss man ziemlich früh aufstehen, Frühstück vorbereiten für die Teilnehmer oder die Schulklassen. Dann so meistens um sieben, halb sieben Frühstück, dann wird abgewaschen, und dann geht’s los nach draußen. Dann arbeitet man bis um zirka halb zehn, dann ist eine halbe Stunde Znüni –
I (lacht): Was ist da?
S (lacht): Kurz was essen um halb zehn, Znüni. Dann arbeitet man wieder bis Mittag, macht eine Stunde Mittag draußen, und dann ist oft ein Zivi dort der Koch –
I: Also wart ihr mehrere?
S: – ja, und dann kocht man einfach im Wald mit Holz, macht ein Feuer, nimmt Suppe mit in so einem großen Topf und kocht auf dem Feuer, und isst draußen. Und dann arbeitet man bis so vier, fünf, je nach Wetter.
I: Kurze Nachfrage: Arbeiten heißt dann was? Also man betreut die verschiedenen Projekte mit den Kindern?
S: Kommt drauf an, also wenn man mit den Jugendlichen arbeitet ist eigentlich die Hauptaufgabe mehr so das Anleiten und Beaufsichtigen der Kids. Wenn man mit den Erwachsenen arbeitet ist man selber auch viel am Arbeiten. Also das kommt ein bisschen darauf an auch, wie selbstständig die Kids sind, ob man selber auch stark zum Arbeiten kommt. Und sonst ist man oft so ein bisschen am Vorbereiten, Nachbereiten des Essens, Anleiten, Koordinieren, Kontrollieren, ob sie es richtig gemacht haben, wenn man irgendwie Zäune bauen muss oder so. Und dann wenn man mit den Erwachsenen arbeitet ist man selber auch viel am Arbeiten, weil die selbstständiger sind. Also dann ist man selber jeweils auch richtig so sieben Stunden körperlich am Arbeiten. Ist ein bisschen unterschiedlich. Ja und dann nach Hause, Werkzeug waschen oder so. Also es sind lange Arbeitstage, meistens ist man so neun oder zehn Stunden am Arbeiten. Genau.
I: Okay.
S: Und das ist immer sonntags bis samstags, also man hat eigentlich kein Wochenende, aber dafür bekommt man zum Beispiel, wenn man zwei Monate Einsatz macht, zwei ganze Wochen frei.
I: Und dann hast du in dem Zeitraum auch in der Einrichtung geschlafen?
S: Yes. Unterkunft war angeboten, und auch das Essen. Das heißt, man hat eigentlich keine Ausgaben. Und dann beim langen Einsatz, beim BAFU, Bundesamt für Umwelt, war’s sehr sehr anders. Das war wirklich so voll Büro, 41 ½-Stunden Woche, mit etwas Freiraum. Also ich konnte so zwischen sieben und neun anfangen am Morgen, wann ich wollte, und musste dann am Tag mindestens fünf Stunden und über die Woche meine 41 ½ Stunden machen. Sie haben mir aber sehr vertraut mit Arbeitszeit selber eintragen, also ich wurde nicht sehr kontrolliert. Dann kam ich ins Büro, teilweise konnte ich ja auch Homeoffice machen noch mit Corona im Sommer. Ich hatte mit einem anderen Zivi zusammen ein Büro, und wir waren dort und haben unsere Stellungnahmen geschrieben und unsere Anträge gelistet und so, und Projektunterlagen angeschaut, also das war wirklich wie ein normaler Bürojob. Dort musste ich auch selber wohnen und das mit meinem Erwerbsersatz zahlen, selber Essen kaufen, kochen, also das war eigentlich wie ein Praktikum oder wie ein Job. So. Also auch sehr viel Freiraum, und man schläft dann auch nicht in der Kaserne oder so wie im Militär, sondern man hat eine eigene Wohnung. Ist auch schön, aber dann halt auch teuer. Im Militär bekommt man die Unterkunft ja angeboten.
I: Ja, klar.
S: Genau. Vor- und Nachteile.
I: Okay, alles klar. Inwieweit hat denn der Zivildienst dann Einfluss auf deinen weiteren Lebenslauf genommen? Gab es in diesem Zeitraum vielleicht Impulse, die dann für dich bei der Orientierung für die spätere Berufswahl eine Rolle gespielt haben, oder ist dir der Zivildienst vielleicht doch eher bei deiner Zukunftsplanung in die Quere gekommen?
S: Also grundsätzlich hat sich in meinem Leben schon immer die Frage gestellt, ob ich mich längerfristig in einem Bürojob sehe, oder ob ich eher körperlich draußen arbeiten will. Und es war sehr cool, im Rahmen des Zivildiensts mal so in einem limitierten Zeitraum körperlich draußen zu arbeiten, um so bisschen herauszufinden, ob das was für mich ist. Es hat mir immer sehr, sehr gut gefallen. Und dann wollte ich auch genau mal das Gegenteil ausprobieren, und hab mich entschlossen, den langen Einsatz voll in einem Büro zu machen, um zu schauen, ob ich mir das längerfristig überhaupt vorstellen kann oder ob ich nochmal einen völlig anderen Weg einschlagen muss in meiner Ausbildung, damit ich nicht ein Leben lang in einem Büro gefangen bin. Also für mich wars mega die Chance, das beides auszuprobieren. Und die Konklusion ist eigentlich, dass ich mir beides auch vorstellen kann, dass mir beides gefällt, dass, wenn es inhaltlich spannend ist, auch einBürojob okay ist. Also es hat mir viel gebracht, um das herauszufinden. In die Quere gekommen – jein, man muss den langen Einsatz innerhalb von drei Monaten nach der Rekrutierung machen, und mein Plan war eigentlich, den nach dem Bachelor zu machen. Dann hat sich der Bachelor aber so bisschen in die Länge gezogen und dann musste ich den Zivildienst noch innerhalb des Bachelors machen, also ein Urlaubssemester an der Uni nehmen, was ein bisschen mühsam war, aber jetzt nicht schlimm. Es hätte sich auch vermeiden lassen mit besserer Planung (lacht), aber grundsätzlich kams mir nicht in die Quere, ich hab es viel mehr als Chance wahrgenommen, in Berufe und
Einrichtungen reinzuschauen, in die ich sonst nie den gleichen Einblick gehabt hätte. Vor allem jetzt beim Bergwaldprojekt oder beim Spital. Also ja, das war super.
I: Okay, vielleicht so bisschen damit verknüpft, welche positiven oder vielleicht aber auch negativen Erfahrungen hast du denn aus deiner Dienstzeit mitgenommen? Also so Fähigkeiten vielleicht, die du erlernt hast, aber generell auch Eindrücke, persönliches Wachstum…?
S: Ja, die Arbeit mit Jugendlichen, dass mir das sehr gut gefällt, dass ich auch glaub ich ein Flair dafür habe hat mir das schon gezeigt, also ich hatte jeweils einen guten und relativ ungezwungenen, aber doch anständigen Umgang. So (überlegt). Und der BAFU-Einsatz hat mir fürs Studium viel gebracht, wie so ein Bundesamt funktioniert, die ganze Zusammenarbeit zwischen Bund und Kanton, zwischen verschiedenen Bundesämtern, das fand ich mega spannend, das hat mir sicher viel gebracht. Ich habe sehr viele Leute kennengelernt, mit denen ich auch außerhalb des Zivildiensts noch viel Kontakt habe, vor allem im Bergwaldprojekt, mit denen gehe ich jetzt auch noch Klettern und so, also da haben sich viele Freundschaften draus entwickelt. Im Bergwaldprojekt zu arbeiten war auch super cool, aber ich glaube da habe ich auch gemerkt: ich will nicht Forstwart werden. Ich finds mega cool mal so ein paar Monate Möchtegern-Forstwart zu sein und zu schauen wie das wäre, aber längerfristig nur draußen körperlich zu arbeiten ist nicht so meins, da bin ich einfach nicht der Typ dafür. Und das eben herauszufinden war auch mega cool. Ja, man wird auch als Student in einen Forstbetrieb reingeschmissen und muss plötzlich mit Jugendlichen Verantwortung übernehmen, man wird mega ins kalte Wasser geworfen und ja, man kann auch mal Fehler machen oder sich Hilfe holen, wenn man völlig überfordert ist, also man lernt mega viel, auch so Zwischenmenschliches. Ja.
I: Ja cool. Und ist es denn so, dass der Zivi oder der Militärdienst auch ein Gesprächsthema ist in deinem Freundeskreis?
S: Ja, obwohl ich sagen muss, mein Freundeskreis schon sehr zivildienstleistend-lastig ist. Zum Beispiel im Studiumsrahmen oder in Gruppenarbeiten, also wenn man unter Jungs neue Leute kennengelernt, dann ist der Militärdienst oder Zivildienst schon ein Thema. Und ich beobachte das vor allem auch bei Gruppen, in denen alle im Militär waren, so: ah, wo warst du?, das ist schon sehr ein Thema. Auf jeden Fall. Ist auch sehr verknüpfend, weil man gleich was hat wo man drüber reden kann: ah du hattest auch das blabla, den Kommandanten sowieso, oder warst auch in der und der Kaserne, blabla, alle lachen – es ist auch so ein verbindendes Element, das Militär, für viele junge Männer. Und auch viele Freundschaften, die sich aus dem Militär ergeben. Also man sagt auch immer, die Vernetzungen und die Connections aus dem Militär, das hält ewig. Und das kann ich aber über den Zivildienst auch sagen. Die Einsatzbetriebe und Vorgesetzten, die ich im Zivildienst hatte, das sind auch super Kontakte, wo ich wieder anknüpfen kann. Mein Großvater war seinerzeit ein ziemlich hohes Tier im Militär und hat lange versucht, mich ins Militär zu kriegen, und hat auch immer gesagt: ja, noch immer sind seine besten Freunde aus dem Militär, das sind so gute Leute und Kontakte und Zeiten, die man hat. Also es ist sicher ein großes Thema. Und ich schäme mich überhaupt nie, einem Militärmenschen zu sagen, dass ich Zivildienst gemacht habe oder so. Das wird nicht mega negativ bewertet, oder jedenfalls in vielen Kreisen nicht. Ist vielleicht auch ein bisschen meine Bubble, aber es ist nicht mega so wertend. Man hat oft Freunde: ah du warst auch im Zivildienst, wo warst du so? Oder dito halt im Militär.I: Okay. Ja weil du jetzt gerade schon deinen Opa angesprochen hast: Wie ist das denn so, nimmst du da eine Haltung deiner Generation wahr, die sich von der zum Beispiel deiner Großeltern unterscheidet? Und welche Unterschiede beobachtest du denn da vielleicht auch zwischen den verschiedenen Generationen?
S: Schon, es gibt auf jeden Fall Unterschiede. Einerseits Militär weniger gewichtet bei meiner Generation, und andererseits wird so bisschen der soziale Aspekt mehr gewichtet. Hat sicher auch damit zu tun, dass meine Großeltern und auch mein Vater näher waren am Krieg. Also die Nähe zum und das Bewusstsein vom zweiten Weltkrieg hat sicher auch dazu beigetragen, dass die älteren Generationen noch stolzer waren auf das Militär und das noch wichtiger war (überlegt). Und es hat auch so im sozialen Wertesystem an Wert verloren glaub ich. Also früher war oft auch bei Bewerbungen die Frage: ja, waren Sie im Militär, was haben Sie gemacht? Das war wichtig. Und es war auch ein Plus, wenn man Führungserfahrung im Militär hatte. Und das ist heutzutage würde ich sagen nicht mehr so. Ja.
I: Okay. Ja vielen Dank dir, von meiner Seite aus wären dann alle Fragen, die ich mir notiert hatte, geklärt! Ich weiß nicht, ob du noch was hinzufügen willst? Irgendwas besonders hervorheben oder unterstreichen, resümieren, Bilanz ziehen?
S: Ja, der Zivi ist eben länger. Der Narrative vom Militär ist so bisschen, dass sie sagen: ja, Zivildienst kann man machen, wenn man so einen, ja wie sagt man denn, einen Konflikt hat mit dem –
I: Gewissenskonflikt?
S: Gewissenskonflikt! Danke, das Wort hab ich gesucht, wenn man einen Gewissenskonflikt hat, und der Beweis, dass man einen Gewissenskonflikt hat ist, dass man bereit ist, mehr Diensttage zu leisten. Und das stimmt ja irgendwie schon und irgendwie auch nicht. Ich hätte es auch gemacht wenn es zweimal so lange wär, aber ich hätte es auch gemacht, wenn es nur einmal so lange wär. Bei mir war das irgendwie zweitrangig, wie lange das ist. Ich kenn auch viele Freunde, die jetzt fertig sind mit dem Zivildienst, und sich noch mehr Diensttage wünschen. Das ist vor allem bei Leuten so, die eine Lehre machen und dann einfach in einem Beruf arbeiten, der sie vielleicht jetzt nicht mega interessiert. Für die ist der Zivildienst halt auch voll eine Möglichkeit, rauszukommen und trotzdem 80 Prozent des Lohns zu beziehen. Das wird auch mega als Chance angeschaut. Und als Student ist es halt auch eine Möglichkeit, in den Semesterferien Geld zu verdienen. Man verdient ja trotzdem knapp 2000 Franken im Monat, was okay ist für Ferien. Und je nach Einsatzbetrieb ist es auch wirklich cool. So. Und da ist man halt auch ein bisschen so auf Eigeninitiative angewiesen, man hat ein jährliches Soll von 28 Tagen, und wenn man sich nicht anmeldet dafür und selber Einsatzbetriebe sucht, dann wird man einfach zugewiesen. Und dann ist man halt irgendwo und macht irgendwas, was auch okay sein kann, aber dann ist man halt oft im Altersheim oder im Behindertenheim, was auch mega super Einsätze sind, so, ich will das überhaupt nicht judgen, aber es wäre halt nicht was, was mich mega interessieren würde. Und so geht es dann halt vielen Leuten, die dann fluchen, weil sie sich nicht frühzeitig darum gekümmert haben, zugewiesen wurden, und dann ist es halt eine Scheißerfahrung. So.
I: Okay danke, das war mega viel Input und sehr ausführlich beantwortet!
S: Alright, danke!
Sophia Gessner
Note: Die dargestellten Ansichten geben die Meinung der Interviewpartner und nicht die des Sprachrohrs wieder.