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VIELFALT: AUSGABE MAI/JUNI 2022

Blogvon Francesca Valentin, Louisa Christa Patricia Volk

“Schmetterlinge” von Annemarie Engelmann (@annemarie_engelmann)
“Schmetterlinge” von Annemarie Engelmann (@annemarie_engelmann)

Liebe Leser*innen,

Zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit können wir wieder von einem wirklichen Semesterstart sprechen. Die Uni geht wieder los, und das sogar in Präsenz! Das bedeutet für uns, dass wir das Sprachrohr auch endlich wieder in allen Ecken und Nischen der Uni für euch bereitlegen können. Wir freuen uns sehr darüber!

Unser Oberthema ist dieses Mal: „Vielfalt“. Und das kann ganz vieles bedeuten. Gerade im politischen Diskurs ist „Vielfalt“ ein heißer Begriff. Er hat potenziell die Macht, starke Debatten auszulösen, während er in anderen Bereichen Konflikte schlichten kann. Wie wichtig Vielfalt ist, merkt man dann aber erst, wenn sie fehlt. Beispielsweise, wenn bis auf Salz und Pfeffer kein anderes Gewürz in den Topf gefunden hat. Aber auch, wenn eine Eindimensionalität in der Kultur, in gesellschaftlichen Debatten, oder in der medialen Repräsentation von Individuen zu erkennen ist. Dann vermissen wir Vielfalt. Wir vermissen Vielfalt auch dann, wenn die Biodiversität ausstirbt. Sie würde auch in der Literatur fehlen, oder wenn wir im Kino nur noch Rom-Coms gezeigt bekommen würden. Aber Vielfalt kann auch Streit auslösen. Wenn beispielsweise Religionen, die einen Exklusivitätsanspruch beinhalten, aufeinanderprallen. Oder wenn die Artenvielfalt weiterhin ausstirbt und Lebewesen um ihre Existenz fürchten müssen, oder wenn in Meinungsstreitigkeiten Positionen gegeneinander schmettern.
In unserem Verständnis aber ist Vielfalt ein wichtiger Schritt in Richtung Einheit und Verständnis. In der philosophischen Monadenlehre beispielsweise rät uns Giordano Bruno, dass wir die Einheit der Welt erkennen und schützen müssen, wenn wir die Vielfalt erhalten wollen. Dass uns diese Vielfältigkeit an Pflanzen, Tieren, Sprachen, Kulturen und vielleicht auch Meinungen gerade verloren geht, könnte ein Anzeichen dafür sein, dass wir diese vermeintliche Einheit verloren haben. Umso wichtiger ist es deshalb, die Einbahnstraße aus Nehmen, Machen, Benutzen und Verlieren zu verlassen, und einen Schritt in Richtung Offenheit, Pluralität, Multikulti und Mannigfaltigkeit zu gehen. Die Welt kann sehr schön
sein, wenn man sie sich außerhalb der Scheuklappen genauer ansieht.

Mit unserer ersten Amtszeit als neue Redaktionsleitung war es uns daher ein wichtiges Anliegen, ganz getreu dem Oberthema, auch die Zeitung an sich vielfältiger zu gestalten. Intern bedeutete das: Neue Aufgabenbereiche, welche unserer Redaktion mehr Verantwortung übergaben, was mehr Freiheiten im Schreiben und damit ein breiteres Angebot an Lesestoff für Euch, liebe Leser*innen, ermöglicht. Außerdem haben wir das bisher recht eingefahrene Programm an Kunst und literarischen Textbeiträgen in Richtung Wissenschaft und Kultur eröffnet. Keine Sorge, wir sind immer noch bestens mit kreativen Texten, Geschichten, Poesie und gesellschaftskritischen Beiträgen ausgestattet – das ist ja selbstverständlich. Aber um die Mannigfaltigkeit der Studierenden (die ja über Politikwissenschaft und Lehramt hinausgeht) zu wahren und damit unsere Vielfalt zu erhalten, beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe auch intensiv mit akademischen Errungenschaften der Uni Würzburg, mit wissenschaftlichen Beiträgen und Studien. Außerdem werdet ihr in Zukunft in der neuen Rubrik „Rezensionen“ vom kulturellen Angebot Würzburgs lesen können, um euch gegebenenfalls inspirieren zu lassen. Wart ihr denn schon mal im Mainfrankentheater? Oder beim Töpfern im Cairo? Unsere Autor*innen testen es, und berichten darüber für euch!

Unser Ziel bei den vielen kleinen Renovierungsarbeiten des Sprachrohrs war es, einerseits die Vielfalt des Journalismus aufzuzeigen, und zusätzlich zu unserem literarischen Angebot die Vielfalt des (akademischen) Angebots in Würzburg, und damit auch die Vielfalt der Studierenden, zu repräsentieren. Und nun, wo wir endlich wieder die Uni-Räumlichkeiten von innen sehen dürfen, können wir diese Vielfalt wieder aktiv leben. Wir sind selbst noch etwas perplex, nach so langer Zeit die Uni wieder betreten zu dürfen, aber wir freuen uns auch darauf, wieder neue Gesichter zu sehen, neue Menschen kennenzulernen und mal wieder wirklich „Studierende“ zu sein. Also, nutzt die Chance all die unterschiedlichen und interessanten Menschen und Ereignisse, die Würzburg und die Uni so zu bieten hat, mitzuerleben und mitzugestalten! Die Einheit der Menschheit liegt in der Vielfalt der Individuen – lasst sie euch nicht nehmen, und lasst uns gemeinsam versuchen, sie zu erhalten. Das Sprachrohr ist ein Versuch unsererseits, einen Beitrag dahingehend zu leisten.

Und damit: Viel Spaß beim Lesen!

Eure Louisa und Francis