Sinnfragen: Ist Pop verwerflich?
Side A
Popmusik.
Du Pickel im sonst so strahlend reinen Gesicht der ach so tollen Musikszene.
Mein Vater liebt Jazz.
Meine Patentante kann man mit Schlager begeistern.
Und ich selbst liebe den R&B der späten 90er und frühen 2000er.
Aber Pop?
Ach…ich weiß nicht.
Früher war mehr Lametta.
Früher behielt „Hubba Bubba“-Kaugummi zwei Sekunden länger seinen
Geschmack. Und, vor allem: früher war auch der Pop noch etwas besser
Ob nun „Britney Spears“, die „Backstreet Boys“ oder „NSYNC“.
Vor langer, langer Zeit war selbst die Musik auf Platz eins der Charts zwar nicht merklich besser.
Aber sie stand wenigstens zu ihrem nervtötenden Charakter.
–
Side B
Inzwischen sehen wir jeden Sommer mindestens einen spanischen „Hit“, bei welchem jeder,
der das Fach in der Oberstufe abgewählt hat sowieso nur noch den Refrain kann.
Aber keine Sorge.
Der deutsche Verschnitt davon lauert schon…
So wird aus „Despacito“ schnell mal dank ehemaligen DSDS-Kandidaten die verzweifelte „Señorita“.
Ist Popmusik also nun verwerflich?
Schließlich ist sie meist weder gut, noch sonderlich einfallsreich.
Stattdessen tarnt sie sich gut, nur um dann als Ohrwurm besonders heimtückisch zuzuschlagen.
Man kann gar nicht anders, als zu tanzen.
Und ehe man sich versieht, ist auch schon der gesamte Körper mehr oder minder taktvoll in Bewegung.
Und man selbst peinlich berührt.
Ist so etwas also verwerflich?
Lieber Pop,
Du bist wie Essen: für dich mache ich Dinge, auf die nicht stolz bin Und dennoch: du hältst mich am Leben.
Gibst mir die Kraft, die ich sonst nicht hätte.
Im Zweifel also immer für den Angeklagten.
Oder um es – wenn ich dich wieder höre – in den Worten von Fräulein Spears zu sagen:
„Oops!…Ich hab‘s schon wieder getan“
Anita Rezende