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Von goldenen Büchern und bösen Blicken – ein neues Forschungsprojekt der Ägyptologie

Blogvon Milia Geisler

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:April_26,_2012_-_San_Diego_Museum_of_Man_-_Eye_of_Horus_Tile.jpg
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Ein Buch mit goldenem Umschlag, Hieroglyphen zum selbst entziffern, Reisen mit den Kindern des Dschinn oder dem magischen Baumhaus in das alte Ägypten. Was ist was und vieles mehr. Wer kennt es nicht aus der Kindheit? Eine ähnliche Faszination hat vermutlich nur das antike Griechenland durch die Romantisierung und Stilisierung zum „verwunschenen Land“ der Gött*innen ausgeübt. Wenn euch diese Zeit – klar, in Kinderbüchern sehr fiktiv ausgestaltet – früher genauso gepackt hat wie mich, dann wagt mit mir einen Blick in die Ägyptologie an unserer Universität. 

Jetzt aus erwachsener, universitär geprägter Perspektive interessiert euch nämlich mit Sicherheit das dortige neue Forschungsprojekt von Dr. Andreas Pries. Mit den Forschungsschwerpunkten auf ägyptischer Religions- und Kulturgeschichte sowie Ritualforschung hat er sich ziemlich genau auf die Aspekte auf wissenschaftlicher Basis spezialisiert, die Kinderherzen und so manche:n Erwachsene:n vor Faszination höherschlagen lassen. Selbstverständlich muss das im Folgenden beschriebene Projekt mit wissenschaftlicher Sachlichkeit betrachtet werden, nicht als Fantasiewelt. Außerdem kann ein weiterer Schwerpunkt, nämlich die Edition und Kritik von Texten, nicht wirklich als romantisierte Beschäftigung bezeichnet werden. Allerdings sei gesagt, dass sich alle Studierenden der Geschichte – und entsprechend vermutlich auch der Ägyptologie – über gute Editionen und Übersetzungen freuen. Durch die werden Hausarbeiten deutlich erleichtert. 

Aber zurück zum Thema: Im Rahmen des Heisenbergprogramms für herausragende Wissenschaftler*innen forscht Pries seit diesem Jahr unter dem Titel: „Mythos und Krisenbewältigung im Alten Ägypten: Die Mobilisierung mythischer Traditionen im Kontext herrschaftlicher, kultischer und lebensweltlicher Bewältigungsstrategien am Beispiel des Horusmythos“. Dieses Forschungsprojekt besteht aus drei verwobenen Teilprojekten, denen sich der kürzlich aus Tübingen an die Universität Würzburg gewechselte Ägyptologe widmet. 

Dabei wird Pries innerhalb des ersten Teilprojekts an Texten forschen, die bei Ausgrabungen der Tempelanlage in Tanis 1884 von Flinders Petrie – Archäologe und Ägyptologe – gefunden wurden. Die Papyri beschreiben ein Ritual zum Schutz des Pharaos, mit dessen Hilfe Feinde bekämpft werden sollten. Da die Papyri stark karbonisiert sind, wird mit der Chemie der Durham University zusammengearbeitet, welche die Texte zur besseren Lesbarkeit aufarbeiten. Nicht zu vergessen sei die Universität Oxford, an der sich die Schriften befinden. 

Das zweite Projekt befasst sich zwar auch mit Schriften, jedoch Inschriften. Diese sind am besterhaltenen Tempel Ägyptens, nämlich dem Horus-Tempel in Efdu vorzufinden. Geweiht ist der Tempel dem Gott Chons. Hierbei sollen die Einflüsse des Horusmythos auf andere Gött:innenkulte erforscht werden. Die Forschung bezieht sich dabei auf theologische Aspekte sowie auf Aspekte welche die Herrschaft legitimieren. Auch sollen die Tempelräume digital und öffentlich zugänglich dokumentiert werden. Dahingehend wird auch ein 3D-Modell geplant.  

Mit der Thematik des dritten Projekts können jedoch vermutlich die meisten noch eher direkt etwas anfangen: Der Böse Blick. Ein Aberglaube, der in vielen Ländern, Kulturen und Zeiten gefürchtet wird und wurde. Auch im alten Ägypten lässt sich die Angst vor dem Bösen Blick verorten. Dahingehend ist das Ziel, einen Überblick über die vorhandenen, noch erhaltenen Texte zu verschaffen, egal ob Amulette oder Abwehrsprüche gegen den Bösen Blick. 

Das alles klingt bereits sehr spannend, obwohl Editionen und Übersetzungen von Texten für die meisten fachfremden auf den ersten Blick vermutlich nicht gerade mitreißend wirken. Aber betrachtet man das von Pries abgedeckte Spektrum, darf man beeindruckt sein. Schließlich sind mit der Lebenswelt der Bevölkerung, den zelebrierten Kulten und der Herrschaft wichtige Aspekte einer spezifischen Lebensrealität in den Fokus gerückt. Mit Sicherheit lohnt sich auch fachfremd ein Blick in die kommenden Publikationen. Die nächsten drei Jahre wird Pries an der Universität Würzburg bleiben. Es bleibt spannend, welche Erkenntnisse er und sein Team über die beschriebenen Lebensaspekte des alten Ägyptens finden.  Und wer weiß, vielleicht wird seine nächste Publikation ja das neue Buch mit goldenem Umschlag – für wissenschaftlich interessierte Erwachsene versteht sich.