Rezension: Elvis


Im August dieses Jahres jährt sich der tragische Tod Elvis Presleys zum 45ten Mal. Nichtsdestotrotz kennt jede Generation diesen Namen. Er steht für Aufbruch, Rebellion und den amerikanischen Traum.
Seit dem 23. Juni läuft der neuste Film von Baz Luhrmann, bekannt für The Great Gatsby, in den deutschen Kinos und begleitet das turbulente Leben des „King of Rock’n Roll“.
Im ländlichen Amerika, der 50er Jahre ist Elvis Presley, gespielt von Austin Butler, eine kleine Sensation. Mit seinen unkonventionellen Auftritten verdreht er reihenweise jungen Frauen den Kopf und erzürnt deren Väter. Der durchtriebene Rummelplatz-Manager „Colonel“ Tom Parker, verkörpert von Tom Hanks wittert seine Chance und nimmt sich dem blutjungen Musikanten an. Zusammen wird Elvis zu einer Ikone. Mit seiner Mischung aus Blues und Gospel macht er sich zu Zeiten, der Rassentrennung viele Feinde. Während seines unfreiwilligen Aufenthalt in Deutschland, als GI lernt er seine zukünftige Frau kennen: Die junge Priscilla (Olivia DeJonge). Im Laufe der Jahre treten zunehmend Risse in der Beziehung zu seinem Manager Tom Parker auf, beide haben unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche und entfremden sich zusehends.
Elvis erzählt mehr als nur die Geschichte einer der schillerndsten Figuren des 20. Jahrhunderts, es geht um Drogen, Missbrauch und einem kranken Land, gefangen zwischen Hoffnung und Resignation.
Mit seinen 159 Minuten ist das Biopic lang und das merkt man. Eine halbe Stunde weniger hätte dem Filmerlebnis nicht geschadet. Insbesondere das erste Drittel war zäh, es war sehr „Elvisch“ gestaltet, schnell, unkonventionell und extravagant. Eine spannende Herangehensweise, allerdings erschwerten sie doch den Einstieg in den Film. Schön anzuschauen, aber nicht viel mehr. Schlussendlich hat sich der Film gefangen. Die Stärken des Films liegen, jedoch nicht im Storytelling. Der Erfolg lässt sich auf drei Gründe zurückführen: der Showeffekt, der Soundtrack und Austin Butler.
Mit Baz Luhrmann hat man den richtigen Regisseur, um den Glamour und die Extravaganz Elvis Presleys cineastisch umzusetzen. Die glitzerüberladenen Auftritte wirken, wie für die große Leinwand gemacht. Wenn Elvis an das Mikrofon tritt und mit seiner kehligen Stimme „You ain‘t nothin‘ but a hound dog“ singt hält es einen kaum noch in den Sitzen. Das ist die zweite Stärke des Motion Pictures. Der Soundtrack bringt Jeden in Bewegung. Neben den bekannten Songs von Presley gibt es ebenso Darbietungen von Doja Cat, Eminem und Måneskin. Dessen Songs im richtigen Augenblick auffallen und sich sonst bedeckt halten. Das letzte Ass ist die Performance von Austin Butler, zwar gleichen sich Elvis und Austin logischerweise nicht aufs Haar, dennoch zweifelt man während des Kinobesuchs manchmal, ob Elvis nicht doch noch lebt. Man ist Augenzeuge einer Morphose. Austin Butler wächst über sich heraus, seine Leistung fesselt einen an den Stuhl beziehungsweise das Gegenteil, sobald er die Bühne betritt.
Grundsätzlich ist Elvis ein solider Film mit Höhen und Tiefen, der seine Stärken am besten auf der großen Leinwand ausspielen kann. Die Leinwand meiner Wahl stellte das Central im Bürgerbräu.
Pascal Pill