Ungezähmt – Glennon Doyle
TW: Alkoholmissbrauch
In verschiedenen kurzen Kapiteln berichtet Glennon Doyle auf ehrliche und authentische Weise von Erlebnissen und Erfahrungen aus ihrem Leben. Sie erzählt davon, dass sie seit sie zehn Jahre alt war, begann, sich selbst zurückzunehmen und an die Erwartungen anzupassen. Wie sie lernte, sich in ihrer Rolle als Frau anderen gegenüber – klein zu machen und sich anderen zuliebe zu vernachlässigen. Stets nett zu lächeln, auch wenn ihr gerade eigentlich nicht danach war, immerzu auf ihr Verhalten zu achten und sich selbst und ihr eigentliches Wesen aus den Augen zu verlieren. In diesem Zusammenhang spricht sie von den Glaubenssätzen, mit denen sie erzogen wurde und die sie noch in wichtigen Lebensentscheidungen in ihrem Erwachsenenalter prägten. So erzählt sie etwa von ihrer unglücklichen Ehe, in der sie lange Zeit bleibt, nur um den gesellschaftlichen Erwartungen einer aufopfernden Mutter gerecht zu werden. Darüber hinaus berichtet sie aber auch von der Erziehung ihrer Kinder, ihrer langjährigen Alkoholabhängigkeit und ihrer neuen Liebe für ihre jetzige Frau.
“Ungezähmt” ist ein inspirierendes Buch, mehr ein Selbsthilfebuch als eine bloße Autobiographie, das – meiner Meinung nach – jede Person einmal gelesen haben sollte Es ist allerdings keinesfalls eine leichte Sommerlektüre, sondern verarbeitet gewiss unbequeme Themen und fordert bei den Lesenden unmittelbar ein, über die eigene Lebenssituation und ihre tief verankerten Glaubenssätze zu reflektieren. Auch wenn sich das Buch aufgrund der christlich-orientierten Prägung der Autorin kritisieren lässt, vermittelt es doch viele wertvolle Botschaften und Denkanstöße zur Selbstreflektion und löst damit eine Welle des Empowerments aus. Besonders beeindruckt hat mich das Kapitel zum Thema Schmerz, in dem Glennon Doyle darauf beharrt, dass die Heilung von Schmerz immer das Fühlen aller Gefühle voraussetzt. Doyle führt uns mit ihrem Buch auf so eindrucksvolle Art und Weise vor Augen, was es bedeutet, wenn Menschen aufhören, sich durch ihre Zähmung anzupassen und endlich in ihre Kraft kommen und sich selbst zu befreien. Ich kann eine große Empfehlung für das Buch aussprechen, denn es ist ein wunderbarer Wegweiser auf der Suche nach dem wahren, wilden, selbstbestimmten und freien Selbst, welches in uns schlummert und wartet, endlich aus dem Käfig auszubrechen. In diesem Kontext gibt Glennon Doyle ganz zentrale Ratschläge mit auf den Weg: Sei laut und nimm Platz ein, steh‘ für Deine Meinung ein und setze Grenzen. Vertraue auf deine Intuition und damit letztlich dir selbst.
Paulina Carl