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Wenn der Himmel nicht mehr blau ist

Blogvon Louisa Christa Patricia Volk

Wenn morgen unser Himmel nicht länger blau ist, 
dann ist der Himmel den Menschen abhandengekommen. 
Wie das Gras dem Dealer oder das Holz dem Feuer. 
Es kommt unweigerlich zu einer Katastrophe. 
Der Himmel ist heruntergefallen, 
hat sich aus den Ankern des Himmelgestells gelöst. 
Er liegt jetzt auf der Erde, 
wie ein antiker Spiegel auf dem Dachboden von Großmama, 
der zu alt ist, um die Erinnerung mit ihm loszulassen.
Dort liegen nun die Gassen voller Splitter.
Und als ich die Straße zu meinem Haus hinunterlief, 
sah ich meine Hand gespiegelt in einer Himmelsscherbe. 
Ich hob die Scherbe auf
Und hielt sie behutsam zwischen Daumen und Zeigefinger.  
Ich sah in ihr meine Hand, 
Baujahr 2000 in ihrer Blüte 2018, 
als ihre Nägel rosa glasiert waren 
und sie die Wange eines Jungen umfassten. 
Ich stolperte vor Schreck nach vorn 
Und ließ einen kleinen Teil des Himmels fallen. 
Er fiel zum zweiten Mal an diesem Tag.  
Ich beugte mich dem Asphalt entgegen. 
In der jetzt zerbrochenen Version der Scherbe 
sah ich in dem ersten Splitter meine gespitzten Lippen 
Und im Zweiten den geöffneten Mund meines verflossenen Geliebten, 
Baujahr 1998, in der Blütezeit 2018. 
Die Gassen waren angefüllt mit dem Auge des Himmels, 
der den Menschen abhandengekommen war. 
Ab jetzt gäbe es keinen Wächter der Erinnerungen mehr. 
Die Gegenwart hätte keinen Schreiber mehr für die Zukunft. 
Wenn die Gegenwart zu Staub zerfällt, 
gibt es auch keinen Druck mehr. 
Nicht von außen, nicht von innen. 
Nichts würde implodieren 
und nichts explodieren. 
Alles wäre in einem Vakuum, 
man würde Spaß haben 
und es wäre vergessen
man würde die Hausarbeit nicht schreiben 
und es wäre vergessen. 
Keine Konsequenzen 
heißt Leere in der Seele
es kann Dekadenz sein 
oder Existenzminimum. 
Das passiert, wenn der Himmel nicht mehr blau ist. 

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