Zum Inhalt springen

Da ist für jeden was dabei – Am Rande des Hochschulsports

Blogvon Anna-Lisa La Rocca

Schon seit meinem ersten Semester laufe ich, wenn ich das philosophische Institut betrete an einem  rosaroten Plakat vorbei auf dem in plakativen Großbuchstaben geschrieben steht: „Quidditch  Mittwochs 20:00-21:30“. Im Hintergrund eine abstrakte Zeichnung eines Schnatzs. Dem kleinen  goldenen Ball, dessen Fangen in der Harry Potter Reihe nicht nur das Spiel beendet, sondern der  Mannschaft auch noch 150 Punkte einbringt.  

Beim sogenannten Muggelquidditch funktioniert es allerdings ein wenig anders wie ich nach einer  kurzen Google Suche feststelle. Der Schnatz bringt nur öde 30 Punkte und wird von einem  Menschen verkörpert, der gefangen werden muss. 

Die anderen Bälle und Positionen haben neben ihren Namen auch die meisten Eigenschaften der  Buchreihe behalten. Natürlich fliegen die Klatscher, deren Intention es ist Spieler*innen zu treffen,  nicht magisch verzaubert durch die Gegend, aber die Teams fliegen immerhin auch nicht auf Besen.  Stattdessen schieben sie sich PVC-Stangen zwischen die Beine und warum nicht gerade auf dieses  eher ulkig wirkende Detail verzichtet wurde, bleibt für mich ein Rätsel.  

Auf der Seite des Hochschulsports finde ich enttäuschenderes jedoch weder Quidditch noch  Quadball, wie sich die Sportart mittlerweile manchmal nennt, um sich von der transfeindlichen  Autorin J.K.Rowling abzugrenzen und weiterhin offenkundig für Spieler*innen jedes Geschlecht,  sowohl innerhalb als auch außerhalb des binären Systems zu sein. Um dabei in den  geschlechtergemischten Mannschaften Fairness zu schaffen, dürfen nie mehr als vier Menschen, die  sich mit dem gleichen Geschlecht identifizieren in einer Mannschaft spielen.  Wer jetzt Lust auf Quidditch bekommen hat, den muss ich leider enttäuschen. Denn auch die  unbeantwortete Instagram-DM an die Würzburger broom.breakers, weist daraufhin, dass man in  Würzburg aktuell kein Quidditch spielen kann.  

Dafür kann man allerdings so einige Randsportarten machen, mit denen ich noch weniger assoziiere  als Quidditch, wie mir auf der Hochschulsport Webseite auffällt.  

Bikram Yoga zum Beispiel. Laut der wie immer äußerst verlässlichen Quelle Wikipedia ist Birkram  Yoga eins Abfolge von 26 Yoga-Übungen. Diese werden bei hohen Temperaturen bis zu 40°C  ausgeführt und zählt tatsächlich zu einer der bekanntesten Arten von Yoga.  

Beim Unisport zahlt man dafür Gebühren von 45€. Oder man stellt sich wahlweise im  Sommersemester in praller Mittagssonne auf eine Wiese, um die Temperaturen zu erlangen.  Und auch wenn es sich zunächst ein wenig absurd anhört soll Bikram-Yoga ziemlich gesund sein.  Durch die Mischung aus Hitze und Schweiß entstehen im Körper tiefere Dehnungen mit weniger  Verletzungsgefahr. Außerdem kann Bikram-Yoga nach einem langen Tag in der Bib oder am  Computer genau die Verspannungen lösen, die sich in all unseren Schultern gebildet haben. Es  wirkt kreislaufanregend und bei einer Session können bis zu 700 Kalorien verbrannt werden. Also  ungefähr so viel wie 3 1/2 Stunden langsames joggen.  

Apropos Joggen. Nur in einer viel entspannteren Art und Weise. Meditatives Laufen. Nicht  Walking, was man vielleicht schon mal bei Olympischen Spielen gesehen hat. Meditatives Laufen  wird ebenfalls beim Hochschulsport angeboten. Eine achtsame Art zu Laufen.  Ihr Ziel ist es einen freien Kopf ohne Sorgen und dafür mit Entspannung zu bekommen. Wer – wie  ich – beim Joggen eher Aggressionen bekommt, fragt sich vermutlich: Wie soll das denn gehen?  Ganz einfach, der Fokus liegt auf der geistigen Haltung, anstatt auf dem Laufen auf Leistung. Durch  den sogenannten Alphalauf soll dies möglich sein. Eine kurze Schrittlänge, geringem Tempo und  Atmung über die Nase sind die wichtigsten Punkte, die man bei der Technik des Laufens  berücksichtigen muss, während man die fünf Phasen – Bodyscan, Konzentration des Geistes,  entspanntes Laufen durch freien Kopf, persönliche Phase und schließlich Cool-down – durchläuft. 

Wem das jetzt alles ein bisschen zu entspannt klingt, der kann es zum Beispiel auch mit ultimate  Frisbee probieren. Immerhin beinhaltet schon der Name der Sporthart ihren Grad der Krassheit.  Ultimate eben.  

Die kontaktlose Sportart besteht aus einer Mischung aus Basketball und American Football und die  Ironie darin das Körperkontakt bei Ultimate Frisbee ein Foul hat bestimmt auch noch nie jemand  bemerkt. Die angreifende Mannschaft probiert sich Freiräume zu erlaufen, um in die Endzone der  gegnerischen Mannschaft zu kommen, während diese deckt und blockt, um die Frisbee zu  bekommen. Auch wenn sich das eigentlich ganz einfach anhört, gibt es dabei so viele Sonderregeln  und Variationen, dass man sich beinahe fragt, ob man die Frisbee nicht einfach wieder wie Kinder  hin und herlaufen will.  

Und wer sich einmal fühlen will wie reiche Kinder auf einer Eliteschule kann es mit Lacrosse  probieren. Denn beim Unisport ist wirklich für jeden was dabei. Außer für Leute die Quidditch  spielen wollen. Für die hängt nur fälschlicherweise ein Plakat an der Wand.