Gen Z: Generation Zukunftsangst?
Koalitionsaus, Inflation, ein kollabierendes Rentensystem, Krieg in Europa und Nahost – und dann ist da ja noch der Klimawandel.
Die Liste der Probleme weltweit und bei uns in Deutschland ist lang und wird gefühlt immer länger. Wirft man einen Blick auf die Schlagzeilen, entsteht schnell der Eindruck, dass überall Bedrohungen lauern, die das eigene Wohlbefinden und gar die Existenz in der Zukunft in Frage stellen.
Für viele Probleme scheint es keine Lösungen zu geben und die Verunsicherung in der Bevölkerung wächst. Vor allem die Gen-Z wird zunehmend pessimistischer und hat Angst vor dem, was kommt. Das bestätigt auch die Trendstudie „Jugend in Deutschland“. Von jugendlicher Naivität und Optimismus scheint jede Spur zu fehlen.
Steht das „Z“ in Gen-Z mittlerweile für Zukunftsangst?
Was beschäftigt die Gen-Z?
Hauptthemen junger Menschen sind der Studie zufolge Inflation, Krieg (in Europa und Nahost) sowie teurer/knapper Wohnraum.
Von letzterem kann jeder, der schon mal umgezogen ist, ein Liedchen singen.
Vor allem in Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg ist das spürbar, wo eine Ein-Zimmer-Wohnung schon weit über 1000€ monatlich kosten kann, wenn man denn überhaupt eine findet. Viele sind verzweifelt, denn auch die Mieten scheinen weiter zu steigen, während man von einem Eigenheim nur noch träumen kann. Wie soll man sich das in Zukunft noch leisten?
„Früher war das besser. Da hatten wir weniger Sorgen.“
Nicht ganz, Zukunftsangst ist kein neues Phänomen. Schon früher haben sich junge Menschen Sorgen um ihre berufliche und private Zukunft gemacht.
Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich der Fokus verschoben: Globale und gesellschaftliche Probleme überlagern heute die persönlichen.
Grund dafür ist vor allem die fortschreitende Digitalisierung. Unsere Welt wird vernetzter und es ist kaum noch möglich, sich von den Problemen der Welt abzuschotten. Live Berichte aus dem Krieg oder über Folgen des Klimawandels erreichen uns in Sekundenschnelle – und oft im Überfluss, und so geht es schon lange nicht mehr nur um Dinge, die nur einen persönlich betreffen.
Auch soziale Medien tragen ihren Teil zur Angst bei. Die Algorithmen von Tiktok, Instagram und co. werden immer besser. Schlechte Nachrichten werden mehr geklickt und konsumiert und so schlägt der Algorithmus immer mehr Beiträge derselben Art vor. Es entsteht immer mehr das Gefühl eines Katastrophenzustands.
Angesichts dessen ist es wirklich leicht, sich in seinen Sorgen zu verlieren und immer vom Worst-Case auszugehen. Diese Ängste können belastend sein – wobei sie sich schnell nicht nur psychisch, sondern auch physisch, etwa durch Schlafstörungen oder ständigen Stress, äußern. 51% der Befragten von „Jugend in Deutschland“ gaben an, unter Stress zu leiden, und rund ein Drittel beklagte sich über Erschöpfung und Selbstzweifel.
Das Gute ist, man ist nicht allein.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass man mit seinen Ängsten nicht allein ist. Sich bewusst mit ihnen auseinanderzusetzen, kann helfen, sie besser zu bewältigen. Dazu gehört, schlechte Nachrichten distanzierter zu betrachten, den Konsum sozialer Medien zu verringern und den Fokus wieder auf die positiven Dinge in der Gegenwart zu lenken – auch wenn das oft leichter gesagt als getan ist.
Wenn die Angst jedoch überhand nimmt, sollte man nicht zögern sich Unterstützung zu suchen– sei es durch Gespräche mit Freund*innen oder professionelle Hilfe.
Es ist auch erwähnenswert, dass viele junge Menschen Initiative ergreifen und versuchen, für eine bessere Welt einzustehen, z.B. indem sie ihr Konsumverhalten hinterfragen, sich ehrenamtlich engagieren oder für das Gute auf der Straße demonstrieren.
Das Besondere an der Zukunft ist, dass sie eben ungewiss ist. Sie bringt Risiken mit sich, aber auch Chancen, und verläuft am Ende vermutlich ganz anders – vielleicht auch gut – je nachdem wie wir sie gestalten.
Quellen:
- https://www.malteser.de/aware/hilfreich/existenz-und-zukunftsaengste-was-hilft-wirklich.html
- Schnetzer Simon, Hampel Kilian, Hurrelmann Klaus (2024):Trendstudie „Jugend in Deutschland 2024: Verantwortung für die Zukunft? Ja, aber“ Datajockey Verlag, Kempten
- https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/studie-jugend-100.html