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WÜRZBURG: Eine Stadt mit Ablaufdatum

Blogvon Sara Eivazi

In Würzburg gibt es rund 30.000 Studierende, die meisten von ihnen ziehen von außerhalb zu. Es ist eine Stadt im ständigen Wandel. Ein Ort, an dem Vergänglichkeit spürbar wird, wenn jährlich neue Student*innen in ihre Zeit in Würzburg starten, nur um die Stadt nach ein paar Jahren mit einem Koffer voller Erinnerungen wieder zu verlassen.

Besonders deutlich wird diese Dynamik im Herbst: Während Erstis wie Marit noch orientierungslos durch die Straßen irren, bereiten sich erfahrene Studierende wie Silja auf das neue Semester vor. Andere, wie Johannes, packen ihre letzten Sachen für den Neuanfang woanders. Jährlich gibt es über 6.000 neue Studierende an den drei Hochschulen Würzburgs und diesen Herbst gehört auch Marit zu ihnen. Die 20-Jährige entschied sich für die Stadt wegen ihrer Schönheit, der Studentenfreundlichkeit und persönlichen Gründen wie der Tatsache, dass ihr Freund hier studiert. Den anstehenden Umzug erwartet sie dabei „mit purer Vorfreude“. Sie hofft, wie viele andere auch, auf eine Zeit voller Spaß, neuer Erfahrungen und persönlicher Weiterentwicklung. Doch neben all der Vorfreude gibt Marit zu, dass sie sich auch Sorgen macht – vor allem, keine guten Freunde finden zu können.

Silja ging es ähnlich, als sie vor einem Jahr für ihr Medizinstudium nach Würzburg zog. Überwiegend empfand sie Vorfreude, vor allem endlich allein zu leben, aber gleichzeitig war sie auch nervös: Wie die Leute und das Studium werden und auch, ob sie sich wohlfühlen wird. Doch diese Sorgen sind längst vergangen: „Mittlerweile bin ich angekommen und fühle mich sehr wohl in Würzburg. Ich habe so viele tolle neue Leute kennengelernt und auch mit dem Lernen komme ich klar“, sagt sie nun mit ein wenig Abstand. Die Zeit verging schnell und nun rät Silja kommenden Erstis selbst: Offen für Neues zu sein und alles mitzunehmen, was geht, aber ohne sich zu viel Stress zu machen. Von ihren kommenden Jahren in Würzburg erhofft sie sich noch eine unvergessliche Zeit, mit ganz vielen neuen Erfahrungen und nicht zu vielen Extrasemestern.

Johannes’ Semester sind dagegen schon gezählt. Während Silja und Marit noch für eine ungewisse Zeit in Würzburg verweilen, beendet er diesen Herbst sein Studium und verlässt die Stadt. Nach einer abgebrochenen Ausbildung zog es ihn für seinen Bachelor nach Würzburg. Das war vor 3 Jahren. Heute erinnert er sich an die positive Aufregung in den ersten Tagen. „Für mich war es das erste Mal, alleine zu wohnen, das erste Mal in einer Stadt und keinem Dorf leben – ein komplett neues Umfeld, in dem ich niemanden kannte.“ Kontakte zu knüpfen war Johannes dabei besonders wichtig. Auch er lernte schnell neue Leute kennen, unternahm viel und war oft in der Stadt unterwegs. Letzteres, meint er, hat dazu geführt, dass die Stadt gegen Ende ein bisschen klein geworden sei, weil man gefühlt alles gesehen hat und so gut wie immer jemanden kennt, wenn man aus der Haustür tritt. Johannes verlässt Würzburg nun wieder mit Vorfreude auf neue Herausforderungen und Menschen und nichtsdestotrotz auch mit Wehmut, denn: „Die Zeit hier war unfassbar schön.“

Denjenigen, die ihr Studium noch vor sich haben, rät er: „Man sollte die Zeit hier so gut es geht genießen, das Studentenleben hier ist wie eine eigene kleine wunderschöne Welt, die aber (für mich und viele andere) ein Ablaufdatum hat.“

Von den ersten Tagen voller Aufregung bis hin zum Abschied von der Stadt – Marit, Silja und Johannes spiegeln einen Prozess wider, den die meisten Studierenden in Würzburg erleben. Das Studium ist ein prägender Lebensabschnitt mit einem vorhersehbaren Ende. Während Würzburg für viele nur ein vorübergehendes Zuhause sein mag, ist es für Studierende wie Marit, Silja und Johannes aber weit mehr als nur eine vorübergehende Station. Die Zeit in der Stadt ist geprägt von intensiven Erlebnissen, Freundschaften und persönlicher Entwicklung. Und während das Studium zu Ende geht, WG-Zimmer frei und neu bezogen werden, leben die Erfahrungen und Erinnerungen an diese Zeit weiter.