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Toxic Phone: Warum digitale Entgiftung mehr boomt denn je

Blogvon Dominic Rüger

Egal ob in der Vorlesung, beim Stadtbummel mit Freunden oder abends vor dem Schlafengehen – das Smartphone ist bei vielen zum ständigen Begleiter geworden. Dass diese digitale Dauerpräsenz nicht nur positive Aspekte mit sich bringt, ist schon lange klar. Eine Gegenbewegung sagt dieser Entwicklung seit vielen Jahren den Kampf an und ist heutzutage in aller Munde – der „Digital Detox“. Doch was steckt hinter dem Konzept und woher stammt dieser Trend eigentlich?

Nicht von ungefähr. Mehr als ein Drittel der Deutschen, die sonst regelmäßig von digitalen Geräten oder Anwendungen Gebrauch machen, wollten im Jahr 2025 einen Digital Detox machen, so eine Befragung des Branchenverbands Bitkom – und nicht ohne Grund. Denn die ständige Erreichbarkeit birgt nicht unerhebliche gesundheitliche Risiken. Hierfür spricht unter anderem eine Befragung der Pronova BKK aus dem Jahr 2023. 24 % der Befragten geben an, die dauerhafte Verfügbarkeit durch digitale Geräte als Stressfaktor wahrzunehmen. Diese Entwicklung beginnt oft früh: Bereits im Kinder- und Jugendalter sind derartige Negativfolgen erkennbar. Eine Studie der DAK aus dem Jahr 2017 zeigt, dass 13 Prozent der befragten Jugendlichen trotz Anratens die Nutzung sozialer Netzwerke nicht einstellen konnten. Zudem gaben 34 % an, durch digitalen Medienkonsum Negativgedanken zu verdrängen.

EIN PARTNERPROJEKT

Der Digital Detox hat seinen Ursprung bei zwei Jugendfreunden in den USA: Levi Felix und Forest Bronzan. Die beiden kennen sich bereits seit der Elementary School und spielen gemeinsam in einer Band. Der Kontakt verliert sich über die Jahre und Felix zieht nach Abschluss des Colleges 2007 nach Los Angeles. Dort trifft er auf seine alte Schulfreundin Brooke Dean, die zwei Jahre später zu seiner Lebenspartnerin wird. Er arbeitet zu dieser Zeit als Creative Director eines Startups. Dieser Beruf bringt allerdings auch eine hohe Belastung mit sich. Infolge dessen erleidet er einen Burnout. Brooke und er kündigen daraufhin beide ihren Job und begeben sich auf eine zweieinhalbjährige Weltreise. Durch die hier gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen entsteht so 2011 in Kambodscha die Idee für den Digital Detox, welcher das Ziel verfolgt, einen gesünderen Umgang mit Technik anzuregen. Schnell setzen die beiden die Idee um und gründen so 2012 ein Retreat für Erwachsene namens „Camp Grounded“.

Für den ersten Testlauf laden sie insgesamt 10 Personen ein, darunter auch Forest Bronzan. Seither erfreuen sich diese Anti-Digital-Camps immer größerer Beliebtheit weltweit und wurden bereits mehrfach ausgezeichnet. Levi Felix verstirbt im Jahr 2017 mit nur 32 Jahren infolge eines Hirntumors. Doch das Projekt wird bis heute durch seine Freunde fortgeführt und wächst zu einem erfolgreichen Unternehmen heran.

POSITIVE KONSEQUENZEN DES DIGITAL DETOX

Die Zahlen sprechen für sich. In einer aktuellen Studie der Universität Krems aus dem Jahr 2025, bei der die Studienteilnehmer*innen über drei Wochen ihre digitale Mediennutzung auf maximal zwei Stunden pro Tag beschränkten, zeigten sich diese Effekte deutlich: Depressive Symptome gingen um 27 Prozent zurück. Auch der wahrgenommene Stress reduzierte sich um 16 Prozent. Zudem verbesserten sich die Schlafqualität um 18 Prozent und das allgemeine Wohlbefinden um 14 Prozent.

ANALOG ALS DENKWEISE

Besonders durch den stärker werdenden Einsatz und Gebrauch digitaler Medien im Studium kann es häufig schwerfallen, die Nutzungsdauer zu reduzieren. Im Folgenden nun also einige konkrete Tipps, wie es vielleicht doch gelingen kann:

1. HANDYFREIE ZONEN FESTLEGEN

Statt das Handy direkt am Bett zu laden, versuche es am anderen Ende des Raums oder in einem anderen Zimmer anzustecken. Hierdurch wird die Versuchung, direkt vor dem Schlafengehen oder sofort nach dem Aufwachen zum Smartphone zu greifen, deutlich geringer.

2. EINGEBAUTE FEATURES NUTZEN

Verschiedene Voreinstellungen wie die Fokusfunktion oder der Nicht-Stören-Modus helfen dabei, die Nachrichtenflut unter Kontrolle zu bekommen. Auch Zeitfenster, in denen man sich bewusst anderen Dingen widmet, beispielsweise ein Buch lesen oder ein kleiner Spaziergang, können äußerst hilfreich und wohltuend wirken.

3. FOKUS-APPS

Es mag auf den ersten Blick widersprüchlich klingen, doch die Auswahl an Apps, die versprechen, den Workflow zu steigern, ist inzwischen recht groß und vielfältig. Ein konkretes und recht populäres Beispiel ist „Forest“. Bei dieser pflanzt man in seinem eigenen, virtuellen Garten Pflanzen und Skulpturen an. Diese wachsen allerdings nur bei Nichtgebrauch des Smartphones.

Wichtig zu betonen ist, dass digitale Medien natürlich auch viele positive Auswirkungen haben und die Studienlage oft uneindeutig ist. Ein Digital Detox ist sicherlich kein Allheilmittel. Doch in Zeiten, in denen besonders junge Menschen immer mehr Herausforderungen und psychische Belastungen bewältigen müssen, sollten wir einen achtsameren und verantwortungsvolleren Umgang mit unserem Medienkonsum finden. Denn Digital Detox ist letztlich nichts anderes als Selbstfürsorge.