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Angst vor der Bachelorarbeit?

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Illustration von Laura (@findingthelittlethings_)
Illustration von Laura (@findingthelittlethings_)

Ich begann mein Studium 2016, im Wintersemester. Ich habe mich spontan für das Studium entschieden, weil ich irgendetwas studieren wollte. Bei dem Gedanken, nach dem Abitur bis zur Rente zu arbeiten, wurde mir schwindelig. Jetzt haben wir das Jahr 2021. Mein Studium zog sich in die Länge, doch nun habe ich alles bestanden. Alle ECTS-Punkte sind nun eingeholt. Für diese habe ich auch hart gearbeitet. Das Einzige was noch aussteht, ist die Bachelorarbeit.
Ich habe in meinem Studium mindestens 10 Hausarbeiten, je 12 Seiten im Durchschnitt, geschrieben. Die meisten davon habe ich mit einer sehr guten Note bestanden, abgesehen von den ersten, die ich in den Sand gesetzt habe. Aber sobald ich das Prinzip von Hausarbeiten verstanden hatte, wurde ich gut darin. Klar, es ist jedes Mal ein Riesenaufwand, aber ich weiß, dass ich das kann. Bei dem Vorgespräch mit der Betreuerin meiner Bachelorarbeit versicherte sie mir, dass eine Bachelorarbeit im Grunde wie zwei große Hausarbeiten sei und ich keinen Grund zur Sorge hätte. Und doch verspüre ich Angst. Die Angst sitzt so tief, dass es zu einer fight-or-flight-Reaktion kommt und ich wähle flight. Ich verstecke mich vor der Bachelorarbeit, indem ich ganze Serien auf Netflix innerhalb von zwei Tagen gucke. Ich räume meinen Schrank aus, ich topfe Pflanzen um, ich fange sogar mit dem Joggen an, obwohl ich Joggen schon immer gehasst habe. Nach mehreren Wochen mag ich das Joggen immerhin mehr als den Gedanken daran, dass ich nicht drumherum kommen werde, die Bachelorarbeit zu schreiben. Doch das alles nützt nichts. Wenn ich meinen Abschluss möchte – und nach all der harten Arbeit, die ich in mein Studium gesteckt habe, möchte ich ihn definitiv – werde ich diese Arbeit schreiben und einen Weg finden müssen, diese Angst zu überwinden.
Und so setze ich mich hin und mache es mir gemütlich. Ich denke daran, was ich in der Therapie gelernt habe: Angst ist ein Grundgefühl, das in der Amygdala entsteht, und wie alle anderen Gefühle eine Daseinsberechtigung hat. Unser Gehirn ist eine höchst intelligente Maschine, die immer versucht, uns vor allen Gefahren zu schützen. Manchmal auch vor Gefahren, die faktisch betrachtet (noch) nicht da sind. Ich mache die Übung, die ich oft mache, wenn ich prokrastiniere, denn für mich hat sich Prokrastination als eine Reaktion auf Angst herausgestellt. Ich frage mich, wovor ich Angst habe.

Ist es die Angst vor der Bachelorthesis und der Arbeit, die diese mitbringt? Davor habe ich ein bisschen Angst, aber das ist es nicht. Nach längerem Überlegen stelle ich fest, dass es dieselbe Angst ist, der ich nach meinem Abitur auch schon begegnet bin: Die Angst davor, mich für einen Job zu entscheiden. Es ist die Angst davor, ein Leben lang in einem Job gefangen zu sein, der mich nicht glücklich macht und bei dem ich mich jeden Tag beim Nachhause-Kommen beschwere, wie beschissen die Arbeit ist. Ich habe Angst, dass ich mich nach der Bachelorarbeit auf dem Arbeitsmarkt umsehen werde und eventuell feststellen muss, dass ich keinen Job finde, den ich mag und später in diesem Job gefangen bin, denn man muss schließlich Geld verdienen.

Wenn man die Angst in Worte gefasst hat, scheint sie plötzlich allein dadurch kleiner zu werden. Jetzt kann man sie nämlich hinterfragen und feststellen, ob sie berechtigt ist.

Es gibt auf dem Arbeitsmarkt Tausende Jobs. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich keinen davon mögen werde? Relativ gering. Und was passiert, wenn ich eines Tages im Büro sitze und merke, dass ich meinen momentanen Job hasse? Ich stelle fest, dass ich nie gefangen sein werde. Ich habe jederzeit die Möglichkeit, mich nach einem anderen Job umzusehen. Denn unabhängig davon, was die Generation unserer Eltern denkt, gibt es in unserer modernen Zeit nicht den Zwang, das ganze Leben lang ein und denselben Job auszuüben. Man kann sich immer nach etwas anderem umschauen, sich fortbilden und umorientieren.

Und so sitze ich an meinem Schreibtisch und bedanke mich bei meiner Angst, dass sie mich vor einem öden, eintönigen Job schützen möchte, sage ihr aber auch gleichzeitig, dass das nicht nötig ist, weil ich mir sicher bin, dass der richtige Job für mich da draußen ist, auch wenn ich noch nicht genau weiß, was er ist.

Xenia Hoff