Let’s talk about sex!

Mache den Test: Wie aufgeklärt bist du?
Kreuze richtige Aussagen an:
O Durch den Lusttropfen kann man schwanger werden.
O Der Penis kann vom Masturbieren schief werden.
O Auch beim Oralverkehr sollte man verhüten.
O Zwei Kondome übereinander sind sicherer.
O Frischhaltefolie kann man als Lecktuch verwenden.
O Die Vagina weitet sich durch häufigen Sex.
O Man kann nicht am Jungfernhäutchen erkennen, ob eine Person Jungfrau ist.
O Biologisches Geschlecht und Gender sind das Gleiche.
O Je feuchter eine Vagina, desto erregter die Person.
ɥɔslɐɟ |ɥɔslɐɟ | ƃıʇɥɔıɹ | ɥɔslɐɟ | ƃıʇɥɔıɹ | ɥɔslɐɟ | ƃıʇɥɔıɹ | ɥɔslɐɟ | ƃıʇɥɔıɹ :uǝʇɹoʍʇuɐ

Zugegeben, einige der Antworten sind den Meisten vermutlich bekannt, aber wenn es Dir wie vielen Anderen geht, hattest Du die eine oder andere wichtige Erkenntnis zum Thema Sexualität erst Jahre nachdem sie in Deinem Leben relevant wurde.
Vielleicht kommt dir folgende Szenerie dann auch nicht ganz unbekannt vor: Heute ist es soweit! Einige Klassenkamerad*innen sind aufgedrehter als sonst, sie stecken die Köpfe zusammen tuscheln und kichern. Andere sind eher beschämt und hoffen, dass die folgende Bio-Stunde möglichst schnell vorbei geht, denn heute ist das Thema Sexualkunde. Auch die Lehrkraft scheint nicht besonders begeistert von ihrer Aufgabe, aber was muss, das muss. Also zuerst den Kummerkasten für Fragen aufgestellt (niemand traut sich was einzuwerfen), dann schnell ein paar Zeichnungen von Geschlechtsteilen an die Tafel. Kichern aus der letzten Reihe beim Wort Penis. Vielleicht ein kurzes Erklärvideo zur Eizellbefruchtung. Danach noch ein paar Arbeitsblätter zum Beschriften, bevor zu guter Letzt als Highlight folgt: jede:r darf mal üben ein Kondom überzuziehen. Damit ist es geschafft.
Falls Deine Sexualaufklärung so oder so ähnlich ablief, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass wichtige Fragen offenblieben. Was bedeutet Konsens? Wie finde ich heraus was mir gefällt? Welche positiven Seiten hat Sexualität? Welche Beziehungsmodelle gibt es außer dem heteronormativem? Und viele mehr.
Du erinnerst dich an die obigen Ankreuzfragen: Man kann natürlich nicht immer alles wissen. Dennoch zeigt sich, dass sexuelle Bildung (in der Schule) eher unbefriedigend ist, insbesondere bei dem Thema sexuelle Selbstbestimmung und Vielfältigkeit. Eine positive Zukunftsversion schreit nach einem positiven Umgang mit sexueller Aufklärung. Dazu gehört eine reflektierte Beziehung zur eigenen Sexualität und eine ordentliche Portion Offenheit und Toleranz.
„Die Schule soll Schüler*innen auf das Leben vorbereiten!“ – Dieser Satz schwebt vermutlich als oberstes Ziel von Schulen in unseren Köpfen. Eben weil ein selbstbestimmter Umgang mit Sexualität unheimlich wichtig ist, um „frei leben“ zu können, ist sexuelle Bildung in der Schule verankert. Mit Blick auf den Lehrplan, als Orientierungsfaden für Lehrkräfte, lassen sich positive Aspekte zur sexuellen Bildung finden. In einer achten Klasse der Mittelschule soll in der Evangelischen Religionslehre beispielsweise auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen bezüglich Vielfalt an Geschlechtsidentität und Partnerschaftsmodellen eingegangen werden. Auch das Thema sexuelle Gewalt wird hier aufgegriffen. Positiv fällt im Lehrplan für die dritte Klasse im Heimat- und Sachkundeunterricht auf, dass Schüler*innen Merkmale körperlicher Selbstbestimmung zu beschreiben lernen und Schönheitsideale und Körperbilder hinterfragen. Ehrlich gesagt sind das jetzt aber nur zwei Beispiele und insbesondere nach der achten Klasse scheint das Thema der sexuellen Aufklärung in vielen Unterrichtsfächern abgehakt, da es im Lehrplan kaum mehr auftaucht.
Nach jahrelangem Studium und anschließendem Vorbereitungsdienst an einer Schule ist die überwiegende Mehrheit der Lehrkräfte im Vorbereiten und Durchführen von Unterricht geübt. Das Vermitteln von Themen der sexuellen Aufklärung im Unterricht stellt einige Lehrkräfte dennoch vor große Hindernisse. Gefühle, wie Scham und peinlich berührtes Kichern auf Seite der Schüler*innen sind definitiv ernst zu nehmen, aber bringen Lehrpersonen oftmals in ein Dilemma. Das zeigt sich zum Beispiel in puncto Vertrauen. Ohne Vertrauen kann keine zufriedenstellende Sexualerziehung gelingen, aber wenn die Lehrkraft sich zu sehr einbringt, besteht die Gefahr, an Autorität zu verlieren bzw. sexualisiert zu werden. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit externen Partner*innen, wie zum Beispiel unserer Hochschulgruppe Mit Sicherheit verliebt (MSV), super. Das bedeutet nicht, dass Schulen dadurch von ihrem Bildungsauftrag befreit sind. Vielmehr geht es dabei um ein ergänzendes Angebot. Die MSV, als Projekt von Studierenden, bietet die Chance, Themen wie Pornografie, diversere Beziehungsmodelle und Konsens mit dem Prinzip der Peer-Education anzugehen. Nach diesem Prinzip des „jung lehrt jung“ wollen wir Jugendliche durch einen Austausch auf Augenhöhe darin unterstützen, eine selbstbestimmte, reflektierte und gesunde Beziehung zu ihrer Sexualität zu entwickeln. Beispielsweise kann in einem offenen Gespräch in kleinen Gruppen ungehemmter über Gefühle wie Lust oder Unsicherheiten gesprochen werden. Das A und O ist dabei eine Atmosphäre, die von Wertschätzung geprägt ist, wodurch Lernende keine Angst haben müssten, etwas Falsches zu sagen oder zu fragen. Kann ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen allen Beteiligten hergestellt werden, fällt es Schüler*innen leichter, aktiv zu werden und zack sind wir beim interaktiven Lernen.
Uns als MSV ist für eine zukunftsorientierte Sexualaufklärung vor allem eine sexpositive Haltung wichtig. Sexualität soll als etwas Positives gesehen werden und in keinem Fall als etwas Unmoralisches, Schädliches oder Gefährliches. Es ist wichtig, dass sexuelle Handlungen nicht einseitig betrachtet werden, indem Folgen von Sex und Lust negativ besetzt werden, wie etwa durch Gedanken an eine ungewollte Schwangerschaft oder Geschlechtskrankheiten. Besonders die positiven Seiten von Sexualität sollten in den Vordergrund gerückt werden – Wann und warum ist Sexualität denn etwas Schönes für dich?
Wir wollen und sollten also über Sex reden. Viel und offen. Wir können stolz sein auf Körperlichkeit und Selbstbestimmung. Und wir wollen die Ansicht, dass Sexualität etwas, das es zu entdecken gibt, in den Schulen und gern auch in der ganzen Welt verbreiten.
Bei der Verwirklichung dieser Zukunftsvision sind allerdings nicht nur die Lehrkräfte der entsprechenden Schüler*innen gefragt. Vielmehr muss das Thema der sexuellen Bildung ein gesamtgesellschaftliches werden. Auch Eltern und Politik sind hierbei gefragt, um der Tabuisierung ein positives Narrativ von Sexualität entgegenzustellen. Für den Aufklärungsunterricht der Zukunft, wünschen wir uns, dass er es Schüler*innen ermöglicht, sich selbst sicherer und offener im Themenfeld der Sexualität bewegen zu können. An dieser Zukunft arbeiten wir als Hochschulgruppe Mit Sicherheit verliebt aktiv mit und freuen uns über jede Person, die uns auf diesem Weg begleitet und unterstützt.
Hanna Dietrich, Maria Gerner, Lea Issig, Tim Konze von Mit Sicherheit Verliebt (MSV)
Instagram @msv_wuerzburg
