Zum Inhalt springen

25 Momente aus dem Jahr 2025

Blogvon Nele Jahrsdörfer

2025 war das Jahr, in dem man morgens die Nachrichten öffnete und sich fragte, ob man aus Versehen eine Satireseite abonniert hatte. Ein Jahr, geprägt sowohl von großen historischen Einschnitten als auch von einer nahezu endlosen Abfolge absurder, manchmal surrealer Momente, die sich wie Schlaglichter einer überdrehten Gegenwart aneinanderreihten.

REALITY-TV AUF INTERNATIONALER BÜHNE

Donald Trump bei seiner Vereidigung im Capitol am 20. Januar 2025. (© Foto: Chip Somodevilla / GettyImages)
Donald Trump bei seiner Vereidigung im Capitol am 20. Januar 2025. (© Foto: Chip Somodevilla / GettyImages)
Mittendrin im Trump-Wahlkampf: Elon Musk mit Donald Trump am 5. Oktober in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania © Doug Mills/The New York Times/Redux/laif
Mittendrin im Trump-Wahlkampf: Elon Musk mit Donald Trump am 5. Oktober in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania © Doug Mills/The New York Times/Redux/laif

Es begann bereits am 20. Januar mit der Vereidigung Donald Trumps, der als 47. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus zurückkehrte. Mit ihm kehrte auch das Gefühl zurück, dass Politik weniger nach Lehrbuch funktionierte als nach Reality-TV. Trump kam jedoch nicht allein. Bis zur Trennung im Mai und der anschließenden öffentlichen Schlammschlacht wurde er begleitet vom reichsten Mann der Welt: Elon Musk, inklusive Sohn, der dem neuen Präsidenten vor laufenden Kameras entgegenschleuderte, was viele längst dachten: „I want you to shut up.“ Leider blieb dieser Wunsch unerfüllt.

So kam es bereits Ende Februar zum Eklat im Weißen Haus. Vor laufenden Kameras warf Trump dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, „mit einem Dritten Weltkrieg zu spielen“. Ein Satz, der weniger erklärte als markierte: eine neue Tonlage, roh, vorwurfsvoll, maximal wirksam für Schlagzeilen, und vor allem auffällig Putin-zugeneigt.

Schon zuvor hatte JD Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz Europa kurzerhand mangelnde Demokratie und Meinungsfreiheit attestiert. Eine Rede, die weniger überraschte als bestätigte, was längst offensichtlich war: die zunehmende Distanzierung der USA vom liberalen Westen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ernennt den zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ernennt den zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier gratuliert dem gewählten Bundeskanzler Friedrich Merz, Bildquelle: ddp/Andreas Gora
Der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier gratuliert dem gewählten Bundeskanzler Friedrich Merz, Bildquelle: ddp/Andreas Gora

Im Mai folgte in Deutschland nach dem Ampel-Aus, der Verabschiedung des Sondervermögens und politischen Dauerverhandlungen die Wahl des selbstbetitelten früheren Draufgängers Friedrich „Fritze“ Merz zum Bundeskanzler – allerdings erst im zweiten Wahlgang. Kaum im Amt, lernte er, wie schmal der Grat zwischen Sachlichkeit und Shitstorm ist. Ein Kommentar zum Stadtbild reichte aus, um Empörung, Social-Media-Debatten und Demonstrationen auszulösen.

Parallel einigte sich die Politik – weitgehend über die Köpfe junger Menschen hinweg – auf eine Wehrdienstmodernisierung. Ein großes sicherheitspolitisches Thema, das erstaunlich schnell wieder in den Hintergrund rückte.

DIE PROMIDRAMEN

2025 war jedoch auch das Jahr der Ablenkungen. Katy Perry – ‘bekannte Astronautin (LOL)’ – flog mit Blue Origin ins All und küsste bei der Landung den Boden der Erde. Verständlich nach etwa zehn Minuten Schwerelosigkeit. Für einen kurzen Moment wirkte es, als sei Raumfahrt vor allem ein neues Lifestyle-Accessoire. Jeff Bezos heiratete in Italien, genauer gesagt im langsam versinkenden Venedig, begleitet von einer Gästeliste, die eher nach Forbes-Ranking als nach Hochzeitsgesellschaft klang. Und während Milliardäre auf Yachten feierten, wurde im Louvre am helllichten Tag Schmuck im Wert von 88 Millionen Euro gestohlen. Ein Ereignis, das eher nach Netflix-Serie klingt.

Foto: Stefano Laura/BILD
Französische Polizisten neben einem Möbelaufzug, der für den Raubüberfall auf das Museum Louvre in Paris verwendet wurde. (AFP / DIMITAR DILKOFF)
Französische Polizisten neben einem Möbelaufzug, der für den Raubüberfall auf das Museum Louvre in Paris verwendet wurde. (AFP / DIMITAR DILKOFF)

Apropos Netflix: Der Streamingdienst war ohnehin ein verlässlicher Begleiter. „K-Pop Demon Hunters“ entwickelte sich zum meistgestreamten Netflix-Original weltweit. Aber auch Amazon Prime mischte mit: Die dritte Staffel von „The Summer I Turned Pretty“ eroberte Herzen und spaltete Freundschaften – für uns bleibt klar: Team Conrad, keine Diskussion.

Popkultur lieferte weiter zuverlässig Gesprächsstoff. Kendrick Lamar trat beim Super Bowl auf und beendete den jahrelangen Rap-Beef mit Drake endgültig – spätestens nach seiner bissigen Zeile über Pädophilie. Coldplays Kiss Cam entlarvte live vor Publikum eine Affäre. Selena Gomez heiratete, Justin Bieber veröffentlichte nach Jahren der Stille gleich zwei Alben, und Taylor Swift verkündete nur zwei Wochen nach der Ankündigung ihres zwölften Studioalbums ihre Verlobung mit Travis Kelce – PR? Sydney Sweeney wurde nach einer kontroversen Jeanskampagne „gecancelt“. Jimmy Kimmel wiederum wurde nach einem umstrittenen Kommentar über Charlie Kirk für sechs Tage von seiner Show suspendiert, was seine Reichweite eher vergrößerte als verkleinerte und seine Fanbase weiter festigte.

WISSENSCHAFT, SPORT UND DIE KLEINEN GESCHICHTEN

Zwischen all dem gab es echte wissenschaftliche Fortschritte. Baby KJ wurde als erster lebender Patient erfolgreich mit CRISPR-Genetik behandelt – eine medizinische Zäsur, die beinahe unterging zwischen Pop-News und politischen Dauerkrisen. Auch sportlich lieferte das Jahr kollektive Euphorie: Deutschland gewann die Basketball-Europameisterschaft.

Auch das Prinzip Öffentlichkeit selbst wurde immer wieder neu verhandelt. Eine rechtsalternative Online-Kampagne führte dazu, dass die Rechtswissenschaftlerin und Professorin der Universität Potsdam Frauke Brosius-Gersdorf ihre Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht zurückzog – ein Moment, der zeigte, wie wirksam Desinformation und digitale Mobilisierung inzwischen geworden sind.

Frauke Brosius-Gersdorf zieht ihre Kandidatur zur Verfassungsrichterin zurück.
Frauke Brosius-Gersdorf zieht ihre Kandidatur zur Verfassungsrichterin zurück.
A young Jane Goodall with David Graybeard.Photo: Courtesy of National Geographic / Jane Goodall Institute
A young Jane Goodall with David Graybeard.Photo: Courtesy of National Geographic / Jane Goodall Institute

Und dann waren da die kleinen Geschichten. Junge Menschen trafen sich, um Pudding mit Gabeln zu essen, und niemand wusste so recht, ob das Ironie, Protest oder einfach ein soziales Ritual war. Ein riesiger Wels im Bodensee sorgte für Schlagzeilen und Sommermemes – am Ende wurde er von der Polizei geangelt und für 22,50 Euro als Gericht in einem Restaurant am Bodensee serviert.

Nicht alles war leicht oder lustig. Ein tödliches Massenshooting am Bondi Beach überschattete den Beginn von Chanukka und erinnerte brutal daran, dass Gewalt keine Saison kennt. Zudem wurde P. Diddy u.a. wegen Sexualstraftaten zu 50 Monaten Haft verurteilt – Hollywood-Skandal?

Verabschieden mussten wir uns in diesem Jahr von Jane Goodall, die im Alter von 91 Jahren starb – weltbekannt für ihre bahnbrechende Schimpansenforschung und ihr lebenslanges Engagement für Umwelt- und Tierschutz. Zudem ging Margot Friedländer von uns, eine Ikone der Erinnerungskultur und mahnende Stimme gegen das Vergessen des Holocaust.

Am Ende blieb der Eindruck eines Jahres, das weniger durch Klarheit auffiel als durch Überlagerung. Politik, Pop, Tragik und Absurdität existierten nebeneinander, oft im selben Nachrichtenzyklus. Dennoch blieb auch Platz für Fortschritt, Zusammenhalt und gelegentliche gute Nachrichten.