Deutschlandweite und europäische Vernetzung
Wenn du dich über deine Fachschaftsvertretung oder die stuv hinaus für Hochschulpolitik interessierst, stößt du schnell auf zwei Namen: den fzs (freier zusammenschluss von student*innenschaften) auf Bundesebene und die ESU (European Students' Union) auf europäischer Ebene. Beides sind freiwillige Interessenvertretungsvereine – keine offiziellen staatlichen Gremien –, in denen sich Studierendenvertretungen zusammenschließen, um gemeinsam lauter zu sein, als sie es einzeln wären. Der fzs bündelt Studierendenschaften aus Deutschland, die ESU bündelt die nationalen Dachverbände aus ganz Europa. Über die Mitgliedschaft des fzs in der ESU hängen beide Ebenen zusammen: Was in Würzburg diskutiert wird, kann so – über mehrere Stationen – bis nach Berlin und Brüssel getragen werden.
So macht die stuv mit
Die stuv ist Mitglied im fzs. Eine Delegation, die das StuPa wählt, fährt zweimal im Jahr zu den Mitgliederversammlungen und arbeitet in bundesweiten Ausschüssen mit. Einen Mitgliedsbeitrag zahlt die stuv nicht, weil es in Bayern keine verfasste Studierendenschaft gibt. Für bayerische Hochschulen gibt es außerdem einen Solidaritätsfonds, bei dem sich die stuv melden kann.
Unsere Delegation, Amtszeit 2025/26:
Der fzs ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, in dem sich Studierendenvertretungen freiwillig zusammenschließen, um auf Bundesebene Politik zu machen. Er vertritt rund eine Million Studierende an etwa 100 Hochschulen, also ungefähr ein Drittel aller Studierenden in Deutschland – der Rest ist nicht Mitglied, etwa weil Studierendenschaften nie beigetreten oder wieder ausgetreten sind. Themen sind klassische bundesweite Fragen: BAföG, Hochschulfinanzierung, Studiengebühren, Wissenschaftszeitvertragsgesetz oder das Deutschlandsemesterticket. Für Bayern gilt eine Besonderheit: Es gibt hier keine verfasste Studierendenschaft, deshalb sind bayerische Vertretungen beitragsfrei, und der fzs hält sogar einen „Bayern-Soli" im Haushalt, um sie zu unterstützen.
Ganz konkret wird die Arbeit des fzs beim studentischen Akkreditierungspool: Wenn ein Studiengang akkreditiert (also auf Qualität geprüft) wird, sitzen geschulte Studierende als Gutachter*innen mit am Tisch. Entsandt werden sie über die pooltragenden Organisationen – die Bundesfachschaftentagungen, die Landesstudierendenvertretungen und den fzs, der auch die Verwaltung übernimmt. Weil der fzs nicht alle abbildet, gibt es zusätzlich Vernetzungsstrukturen: Die MeTaFa(Meta-Tagung der Fachschaften) ist das fächerübergreifende Austauschtreffen der bundesweiten Fachschaftentagungen wie KIF (Informatik), ZaPF (Physik) oder KoMa (Mathe). Der 2025 gegründete Länderrat wiederum ist ein an den fzs angegliedertes, autonomes Gremium, in dem sich die Landesstudierendenvertretungen (für Bayern der BayStuRa) untereinander und mit dem fzs abstimmen, um bundesweite Themen gemeinsam voranzubringen.
Die European Students' Union (ESU) ist der Dachverband der nationalen Studierendenvertretungen in Europa – sie verbindet 43 Verbände aus 40 Ländern und vertritt so rund 20 Millionen Studierende. Mitglieder sind u. a. der fzs (Deutschland), die ÖH (Österreich) und der VSS (Schweiz). Sitz ist Brüssel, gegründet wurde sie 1982. Die ESU vertritt studentische Interessen gegenüber den großen europäischen Akteur*innen – EU, Europarat, UNESCO und vor allem der Bologna Follow-Up Group, die den Europäischen Hochschulraum (EHEA) steuert. Über die ESU-Mitgliedschaft des fzs hängt deine lokale Arbeit in Würzburg also indirekt mit der europäischen Hochschulpolitik zusammen.
Beim Thema Qualitätssicherung ist die ESU einer der zentralen Player in Europa. Sie ist Mitautorin der ESG (Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area) – dem Referenzdokument, an dem sich jede Akkreditierung in Deutschland und Europa orientiert. Erarbeitet wurden die ESG von der sogenannten E4-Gruppe: ENQA (Qualitätssicherungsagenturen), EUA (Hochschulen), EURASHE (Fachhochschulen) und eben ESU (Studierende). Dass Studierende in diesem Quartett gleichberechtigt mitverhandeln, ist ziemlich einzigartig. Zusätzlich betreibt die ESU seit 2009 einen eigenen Quality Assurance Student Experts' Pool – das europäische Pendant zum deutschen Akkreditierungspool, über den geschulte Studierende als Peers in grenzüberschreitende Akkreditierungs- und Evaluationsverfahren entsandt werden. Wer in Deutschland über den fzs-Pool eingestiegen ist, kann sich also perspektivisch auch auf europäischer Ebene einbringen.



